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Gbagbo bleibt im Bunker - und gibt nicht auf

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Gbagbo bleibt im Bunker - und gibt nicht auf

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Trotz anhaltender Belagerung bleibt der abgewählte ivorische Präsident Laurent Gbagbo im Bunker seiner Residenz in Abidjan verschanzt. Die Truppen seines Rivalen Alassane Ouattara haben sich auf wenige Kilometer herangearbeitet, doch machten Gbagbos Kämpfer nach Angaben der UNO vom Freitag wieder Boden gut. Kurz zuvor hatte es noch so ausgesehen, als sei es eine Frage von Stunden, bis Gbagbo aufgibt.

Nach den Kämpfen der vorangegangenen Tage blieb es laut Augenzeugen an diesem Vormittag in Abidjan ruhig. Während der Feuerpausen wagen sich die Bürger auf die Straße, um das Nötigste einzukaufen – lange Schlangen vor den Geschäften.

“Wir brauchen etwas zum Essen, ein bisschen Reis, Nudeln, Sardinen…” erklärt ein Passant. “Wir setzen unser Leben aufs Spiel, um herzukommen. Jetzt geht es gerade, aber gefährlich bleibt es trotzdem, jeden Moment kann es weitergehen”, klagt eine andere.

Ouattara-Kämpfer führten mutmaßliche Gefangene ab. Man werde die Gefangenen nicht töten, versichern sie vor laufender Kamera.

Doch Menschenrechtsorganisation schlagen wegen Massakern beider Seiten Alarm. Menschenrechtsexperten haben dem UN-Hochkommissariat für Menschenrechte zufolge in den vergangenen Tagen im Westen des Landes mehr als 100 Leichen entdeckt. Als mögliche Mordmotive wurden ethnische Konflikte und Racheakte in Erwägung gezogen. Bereits in der vergangenen Woche sollen bei einem Massaker in der Region mehr als 800 Menschen getötet worden sein.

Die humanitäre Lage in der Elfenbeinküste verschärft sich. Hilfe nach Abidschan zu schicken, ist laut Caritas International noch nicht möglich. Doch Engpässe gibt es den Hilfsorganisationen zufolge auch in den Flüchtlingslagern in den Nachbarländern. Laut UNO sind weit über hunderttausend Ivorer aus ihrem Heimatland geflohen.

Auf Appell Ouattaras hin hob die Europäische Union einen Teil ihrer Sanktionen gegen die Elfenbeinküste aus. Die Häfen von Abidjan und San Pedro, eine Raffinerie und die Behörde für Kakaoexport wurden von der Liste der Unternehmen mit Kontensperrung genommen. Man wolle die “legitimen Behörden” der Regierung Ouattara stärken, hieß es in einer Mitteilung des EU-Ministerrates. Die Sanktionen gegen Laurent Gbagbo und seine Vertrauten bleiben in Kraft.