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Gedenken an Smolensk-Tragödie

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Gedenken an Smolensk-Tragödie

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Ein Jahr nach dem tragischen Tod von Präsident Lech Kaczynski beim Flugzeugabsturz im russischen Smolensk bleibt Polen ein politisch tief gespaltenes Land.

Auch die Schuldfrage nach der Katastrophe ist nach wie vor ungeklärt. Bei den Gedenkfeiern droht
ungeachtet kirchlicher Appelle um nationale Eintracht eine weitere Eskalation des Konflikts.

Diese Witwe eines der Absturzopfer erklärt:
“Es hätte eine Gelegenheit zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und Polen sein können. Mein Mann war sich, vor seiner Abreise sicher, das die Überwindung des Traumas von Katyn beide Nationen in die Lage versetzen würde, neue Beziehungen knüpfen zu können.”

Die polnische Regierungsmaschine mit Lech Kaczynski, seiner Frau und 94 anderen Prominenten aus Politik, Kirche und Militär war beim Anflug auf Smolensk im dichten Nebel abgestürzt und zerschellt. Die Delegation befand sich auf dem Weg nach Katyn, dem Ort, wo der sowjetische Geheimdienst im Frühling 1940 tausende polnische Offiziere ermordet hatte.

Ohne Ermittlungen abzuwarten, hatte Jaroslaw Kaczynski schnell den Schuldigen ausfindig gemacht. “Moralische Verantwortung” für die Katastrophe, trage Tusk, verkündete Oppositionschef. Seine Begründung: Tusks Auseinandersetzung mit Lech Kaczynski soll einen gemeinsamen Besuch verhindert haben, was sich für das damalige Staatsoberhaupt als verhängnisvoll erwies.

Nachdem sich Tusk und Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin am 7. April 2010 in Katyn getroffen hatten, endete Kaczynskis Flug drei Tage später mit einem Desaster. In einem demokratischen Land wäre der Regierungschef danach längst zurückgetreten, sagt Jaroslaw Kaczynski und fordert Tusks Kopf. Der liberale Regierungschef steht nicht allein auf Kaczynskis schwarzer Liste.

Die russischen Fluglotsen von Smolensk sollen die polnischen Piloten durch Falschinformationen in den Tod getrieben haben – so seine Theorie. Warschaus Zustimmung zur Übernahme der Ermittlungen durch Russland hält der national-konservative Politiker für einen Kardinalfehler.

Der russische Abschlussbericht über die Ursachen des Unfalls, dessen Autoren die ganze Schuld den polnischen Piloten zugewiesen haben, belebte die antirussische Stimmung an der Weichsel.