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Frankreich zeigt Gesicht


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Frankreich zeigt Gesicht

Als erstes Land in Europa verbietet Frankreich von diesem Montag an das Tragen von Ganzkörperschleiern in der Öffentlichkeit. Der Nikab, der noch Sehschlitze freilässt, und die Burka, die selbst die Augen noch mit einem Gitter verdeckt, werden von Straßen und Plätzen, aus Schulen, Behörden und Krankenhäusern verbannt. Belgien hatte vor einem Jahr ein ähnliches Gesetz beschlossen, dieses wegen der innenpolitischen Hängepartie aber nicht umgesetzt.

“Die Republik lebt mit unbedecktem Gesicht”, argumentiert die Regierung in ihrer bescheiden gehaltenen Kampagne. Sie richtet sich auch nur an eine kleine Gruppe: Von den gut fünf Millionen Muslimen, die in Frankreich leben, tragen weniger als 3.000 Frauen den Ganzkörperschleier. Doch etliche von diesen fühlen sich nun erst recht in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt.

Wie Kenza Dryder: Sie werde auch nach diesem 11. April als Französin mit Ganzkörperschleier weiterleben. Sie werde den Schleier weiter in der Öffentlichkeit und auch privat tragen – wo immer sie wolle. In keinem Fall werde sie den Schleier ablegen.

Das Gesetz richtet sich gegen die Unterdrückung von Frauen. Wer dagegen verstößt, riskiert Geldstrafen: Die Frauen eine Strafe von 150 Euro und gegebenenfalls einen Kurs in Staatsbürgerkunde. Männer, die nachweislich Frauen zum Tragen des Ganzkörperschleiers zwingen, trifft es deutlich härter. Ihnen droht ein Jahr Haft und eine Geldstrafe von 30.000 Euro.

Offiziell ist das Gesetz als Vermummungsverbot angelegt. Zum Argument mancher Politiker, dies diene auch der Terrorabwehr, meint Polizeigewerkschaftschef Denis Jacob, das Vermummungsverbot könne schon nützlich sein, es werde aber sicher nicht das Kernstück in Frankreichs Kampf gegen den Terrorismus werden.

Dass es viele Verfahren gegen Frauen wegen des neuen Gesetzes geben wird, gilt wegen der geringen Betroffenenzahl als unwahrscheinlich. Es wird eher als symbolisch gewertet – und die Polizei wird wohl auch öfter ein Auge zudrücken.

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