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Isländer lehnen Zinszahlung für Schulden der Pleitebank ab

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Isländer lehnen Zinszahlung für Schulden der Pleitebank ab

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Bezahlt wird nicht, lautet die Losung in Island.

Die Bürger haben schon zum zweitenmal per Volksabstimmung abgelehnt, für die Schulden der Privatbank Icesave aufzukommen.

Icesave war die Internet-Filiale der Privatbank Landsbankis. Die hatte vor allem bei Kleinsparern in Großbritannien und den Niederlanden Geld eingesammelt. Und verzockt.

Nach der Pleite 2008 blieben Schulden in Höhe von 3,9 Milliarden euros. Dafür sollen im Laufe von 30 Jahren an die Niederlande 3 % und an Großbritannien 3,3% Zinsen gezahlt werden.

Bei der Volksabstimmung ging es nicht um die Schuldensumme als solche, die wird zum größten Teil aus der Konkursmasse der bankrotten Bank beglichen – sondern um die Zinsen, wie Islands Präsident klar macht.

Er rechnet vor, dass mit den Zinsen Großbritannien und die Niederlande am Ende 7,8,9, oder gar 10 Milliarden Dollar bekommen werden.

Die Internet-Bank Icesave hatte mit Zinsen von 5 bis 6 % gelockt. Nachdem Icesave sich als ganz und gar unsicher erwies, hatten die Regierungen in London und Den Haag kurzfristig ihren Bürgern die Einlagen erstattet. Und jetzt wollen beide Staaten das Geld von Island zurück. Eigentlich bürgt der isländische Staat nicht für Bankgeschäfte im Ausland, hat aber trotzdem die bankrotte Privatbank übernommen.

Das hat Island an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Die zahlungsunwilligen Isländer machen Mängel im europäischen Finanzsystem für den Bankencrash verantwortlich. Daran aber hatte sich Island freiwillig beteiligt.

Die rund 320.000 Einwohner des Inselstaates im Atlantik leiden als Folge unter drastischen Sparmaßnahmen des Staates und hoher Arbeitslosigkeit. Das hat schon viele um ihre Existenz gebracht. Auch der Softwareingenieur Olafur Gardasson beklagt, noch mehr Schulden, damit wachse die Gefahr, dass seine Familie ihre Existenzgrundlage verlieren könne.

Island möchte so schnell wie möglich Mitglied der EU werden. Welche Auswirkungen diese Volksabstimmung áuf die Haltung wichtiger EU-Staaten haben wird, ist noch unklar.