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Abidjan - der Tag danach

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Abidjan - der Tag danach

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Die Waffen schweigen in der wochenlang umkämpften Hafenstadt Abidjan in der Elfenbeinküste – jedenfalls weitgehend. Aus zwei Pro-Gbagbo-Vierteln seien immer wieder schwere Geschützfeuer zu hören, berichten Augenzeugen. Noch immer fliehen Menschen aus der Stadt.

Mehrere Stadtteile gelten als nicht sicher – keiner weiß, was die Anhänger des entmachteten und festgenommenen ehemaligen Präsidenten Laurent Gbagbo mit ihren zahlreichen Waffen vorhaben.

Präsident Alassane Ouattara jedenfalls ist noch nicht in den verlassenen Präsidentenpalast umgezogen. Er residiert weiterhin im Golf Hotel in Abidjan, das auch Sitz der UN-Mission (UNOCI) in dem westafrikanischen Land ist.

Die Bewohner von Abidjan sind Bürgerkriegs-müde.

“Das muss aufhören,” sagt eine Frau, “wir können einfach nicht mehr. Wir haben nichts zu essen, wir können nicht raus. Das ist wie Hausarrest, seit Wochen schon. Es ist unmöglich, so zu leben, aufhören sage ich. “

Und ein Mann:

“Gbagbo hat Anhänger, immer noch, das ist normal. Wissen Sie, in Afrika wird alles nach ethnischer Zugehörigkeit geregelt, nach Region oder Clan. Und diese Regionen, diese ethnischen Gruppen, die gibt es doch nach wie vor. Das heißt die Wut gärt immer noch.”

Das weiß auch Allassane Ouattara, seit dem vergangenen November Wahlsieger und seit wenigen Stunden unumstrittener Präsident der Elfenbeinküste:

“Ich appelliere an meine Landsleute, die möglicherweise auf Rache sinnen, von allen gewalttätigen Akten der Vergeltung abzusehen.”

Dem unterlegenen Rivalen Laurent Gbagbo werde kein Haar gekrümmt, versprach er. Er werde vor Gericht gestellt, wie auch andere potentielle Täter.

Man wird Ouattara daran messen, ob das auch für seine eigenen Anhänger gilt. Ihnen werden Massaker in Douékoué im Westen des Krisenlandes mit mehreren hundert Toten angelastet.