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Auf der Suche nach dem Wiener Klang 

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Auf der Suche nach dem Wiener Klang 

Auf der Suche nach dem Wiener Klang 
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Wien, eine Stadt zwischen Vergangenheit und Umbruch. Die pulsierende Metropole, einst Zentrum der Habsburger Monarchie, hat ein reiches kulturelles Erbe. Über die Jahrhunderte wurde die Stadt von berühmten Komponisten geprägt. Bis heute ist die österreichische Hauptstadt mit einem Klang untrennbar verbunden: dem Wiener Klang.
 
Einer, der ihn tagtäglich zum Leben erweckt, ist Wolfgang Vladar. Der Wiener ist seit fast 20 Jahren Hornist bei den weltberühmten Wiener Philharmonikern. Er spielt auf einem so genannten Wiener Horn, das schwieriger als das gebräuchliche Doppelhorn zu spielen ist und den speziellen Wiener Klang maßgeblich mitprägt. Wolfgang Vladar: „Es ist eine Weichheit. Mein Gefühl ist: Es ist eine Liebe zu jedem einzelnen Ton da, wie der Ton anfängt, wie er geführt wird, wie er zum nächsten geführt wird, wie eine Bindung gemacht wird, wie ein Ton aufhört.“
 
Simon Posch, Direktor vom Haus der Musik, erklärt:  
„Der Wiener Klang ist eigentlich die perfekte Symbiose aus Präzision und Gefühl. Die Philharmoniker sagen selbst ab und zu, es ist ein bisschen was Schlampiges drin. Damit ist natürlich das Gefühl gemeint, dass man hier nicht nur auf präzisem Abspielen von Noten beharrt, sondern dass man eben ganz besonders das Herz und das Gefühl mitschwingen lässt. Das ist der Wiener Klang.“
 
Aber was gehört denn noch zum typischen Klang von Wien? Wolfgang Vladar: „Mir fällt auf jeden Fall die Musik ein, weil sich ein großer Prozentsatz meines Lebens in musikalischer Umgebung abspielt, aber es ist auch das Klirren vom Kaffeehäferl auf dem silbernen Servierbrett, das gehört genauso dazu. Wenn ich aufgeweckt werde und ich höre das, weiß ich, was es ist und es ist Wien.“
  
Wien ohne Kaffeehäuser, das ist so, wie Paris ohne Eiffelturm. Sie sind eine Institution. Ein Schriftsteller sagte einmal: „allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen“ Ums Wohl der Gäste kümmert sich nicht der Kellner, sondern ein Ober. Aber was macht eigentlich den perfekten Wiener Ober aus?
 

Der Wiener Ober im Hotel Sacher Gerhard Seiz gibt uns die Antwort: „Ja eben, dass er eine gewisse Verschwiegenheit hat, weil gerade ein Wiener Ober, der ist meistens schon länger in einem Betrieb, damit er ein richtiger Ober ist. Das ist vielleicht der Unterschied zwischen einem Kellner und einem Wiener Ober, der ist meistens schon jahrelang dabei, kennt natürlich schon die Gäste, kennt viele private Sachen der Gäste, manchmal sogar intime Geheimnisse der Gäste, dass er das nicht ausplaudert, dass er das für sich behält, dass man sich manchmal bei ihm auch ausweinen kann. Auch ein Ober ist manchmal ein kleiner Psychologe.“
 
Das Kaffeehaus war zwischen 1890 und 1930 ein wichtiger Treffpunkt von Intellektuellen. Wolfgang Vladar unterstreicht: „In Wien gab es ja auch eine große Kulturszene im Kaffee, die sich eigentlich ausschließlich im Kaffeehaus abgespielt hat. Es gibt den Begriff der Kaffeehausliteraten. Die gab es in Wien.“
  
Schon in den frühen Morgenstunden klingen geschäftige Laute aus der Hofbäckerei Demel. Hier werden Gugelhupf, Strudel, und die berühmte Sachertorte gebacken. Das Rezept für das Schmuckstück ist geheim, aber wir dürfen ausnahmsweise einen Blick über die Schulter von Michael Bednar werfen. In seiner 25-jährigen Karriere hat Michael Bednar über eine Million Sachertorten gebacken. Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Er erklärt uns, was bei der Zubereitung der Glasur zu beachten ist: „Ganz wichtig ist, dass man da die richtige Konsistenz erwischt. Es muss sich eine zarte Haut bilden, das ist der Indikator, ob das zum Nehmen ist oder nicht zum Nehmen ist, Das ist halt sehr, sehr viel Erfahrung und Gefühl, ob das passt, oder nicht passt. Da kann man kein Rezept angeben.“   
Zeugnisse der glorreichen Vergangenheit gibt es in Wien an fast jeder Ecke. Ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen ist der Fiaker. Die beliebten Pferdefuhrwerke prägen seit Ende des 17. Jahrhunderts den Klang der Stadt Wien mit.

Aber Wien blickt nicht nur zurück, sondern hat auch die Zukunft fest im Visier.
  
Der aktuelle Wiener Klang ist ein ganz besonderer: der Baulärm. Um das Gelände des Hauptbahnhofs herum ist jede Menge Hämmern, Klopfen und Bohren zu hören, denn dort wird an der Umsetzung eines innovativen vier Milliarden Euro teuren Projekts gewerkelt. Bis 2015 entstehen hier nicht nur der neue Hauptbahnhof, sondern ein ganzes Viertel mit tausenden von Wohnungen, Büros und ein Park. Für die Wiener ein noch unbekanntes Terrain. Projektleiter Eduard Winter: „Wir kennen dieses Gebiet als Wiener deswegen nicht, weil hier ein Frachtenbahnhof mit Lagerhallen, mit kleinen Gewerbebetrieben gestanden hat. Da hatte die Allgemeinheit nicht Zugang. Genauso war das nicht möglich hier zu queren, von einem Bezirk zu dem anderen. Das war eine richtige Barriere. Und die Idee war: Wir heben diese Barriere auf, machen den Bahnhof durchlässig und bauen rundherum ein neues Stadtviertel auf.“
 
Vom Klang des neuen Wien zurück zum traditionellen: dem Wienerischen. Der Akzent hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, aber geblieben ist die Gemütlichkeit, auch in der Sprache. Der mehrfach preisgekrönte Wiener Schriftsteller Peter Henisch erklärt in seinem Buch „Schwarzer Peter“ wie sich der österreichische vom deutschen Akzent unterscheidet: „Eine Sprache jedenfalls, die weit vorn im Mund entsteht, aus dem sie manchmal herausschießt wie ein Trommelfeuer, während das Österreichische viel weiter hinten in der Mundhöhle seinen Ausgang nimmt, daher länger braucht, um, sei es schwerfälliger, sei es bedächtiger, sei es primitiver, sei es poetischer, zu Tage zu treten.“
 
Wien ist eine Stadt voller einzigartiger Klänge, sogar mit geschlossen Augen ist die Stadt leicht wieder „zu erhören.“ Der Abend legt sich über Wien, Zeit für den bekanntesten aller Wiener Klänge: den der Wiener Philharmoniker. Seit ihrer Gründung 1842 bleiben sie dem Stil aus der Epoche der Wiener Klassik treu und begeistern ihr Publikum.
  
 

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