Eilmeldung

Eilmeldung

Japans Regierung stuft Fukushima auf Tschernobyl-Niveau - und beschwichtigt trotzdem

Sie lesen gerade:

Japans Regierung stuft Fukushima auf Tschernobyl-Niveau - und beschwichtigt trotzdem

Schriftgrösse Aa Aa

Japan hat die Gefahrenstufe des Atomunfalls in Fukushima nach langem Zögern auf die höchste Stufe 7 gesetzt – so hoch, wie bislang nur die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl eingestuft wurde.

Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins brach an diesem Dienstag aus zunächst unbekannter Ursache ein Feuer aus, es konnte aber bald gelöscht werden. Zwei weitere starke Nachbeben erschütterten wieder Teile des Landes, die Arbeiter in Fukushima mussten sich vorübergehend in Sicherheit bringen.

Auch wenn die Gefahrenstufe jetzt auf Tschernobyl-Niveau hochgesetzt wurde, sehen Experten Unterschiede: Insbesondere, dass in Tschernobyl durch eine einzige Explosion radioaktive Substanzen hoch in die Atmosphäre geschleudert und weit verteilt wurden, und dass der Reaktor in der Ukraine nicht mit einem inneren Sicherheitsbehälter (Containment) ausgelegt war wie Fukushima Eins.

In Japan sind nach Einschätzung der Experten noch rund 90 Prozent der radioaktiven Stoffe in den Anlagen und könnten möglicherweise größtenteils sicher eingeschlossen werden.

Die Hochstufung bezieht sich eher auf die langfristige Gefahr für Mensch und Umwelt in einem weiten Umkreis, die Japan nun einräumt. Ministerpräsident Naoto Kan beschwichtigte aber gleichzeitig: Fukushima Eins stabilisiere sich Schritt für Schritt, die radioaktive Emission sinke.

Bislang sei nur gut ein Zehntel der in Tschernobyl freigesetzten Radioaktivität ausgetreten, erklärte die japanische Atomaufsichtsbehörde. Allerdings wurde nahe dem Meiler nun auch Strontium gemessen. Umso demonstrativer biss der Regierungssprecher beim Pressetermin in die Tomate aus der Region.