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Weißrussland, der Ausnahmefall in Europa

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Weißrussland, der Ausnahmefall in Europa

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Ein Attentat in Weißrussland? Da glaubte man zunächst, sich verhört zu haben. Nebenan in Russland ist ständig mit Anschlägen zu rechnen, aber im gänzlich vom Ausland abgeschotteten Weißrussland? Die üblichen Verdächtigen aus Terrorgruppen aller Art kommern kaum infrage.

Da drängt sich die Frage auf – wem nützt es?

Alexander Lukaschenko ließ sich filmen, als er am Ort der Bluttat Blumen niederlegte. Zusammen mit seinem sechsjährigen Sohn Kolja, den er so gern bei offiziellen Anlässen vorzeigt.

Im Westen wird Weißrussland als die letzte Diktatur Europas angesehen, u.a. weil dort noch immer die überall sonst abgeschaffte Todesstrafe gilt. Wie intensiv in Weißrussland das kommunistische Erbe bewahrt wird, das sieht manb auch am Namen der betroffenen Metrostation.

“Oktjabrskaja” hiessen in der Sowjetunion viele öffentliche Orte – zu Ehren von Lenins Oktoberrevolution 1917.

Und in dieser Tradition präsentiert sich Präsident Lukaschenko seinem Volk, in dieser Tradition gibt er den fürsorglichen Landesvater, der mit billigem Öl und Gas aus Russland seinen Landeskindern einen bescheidenen Wohlstand ermöglicht.

Als beim “großen Bruder” in Moskau noch Präsident Jelzin das Sagen hatte, funktionierte dieses Modell ganz gut.

Inzwischen hat sich allerdings die weltpolitische und auch die weltwirtschaftliche Situation verändert.

Als sich Alexander Lukaschenko – im Amt seit 1994 -vor fünf Monaten das vierte Mal zur Wahl stellte, lief es nicht mehr ganz so glatt wie all die Male zuvor. Die Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wurden daran gehindert, die Wahlen zu überwachen. Diverse Politiker der Opposition waren schon vorher unter allen möglichen Anschuldigungen kaltgestellt worden.

Sieben Präsidentschaftsbewerber wurden festgenommen. Der Wahlkampf verlief alles andere als frei und fair. Wer es wagte, sich an Kundgebungen von Oppositionskandidaten zu beteiligen, riskierte, nicht nur zusammengeschlagen sondern auch verhaftet zu werden. Die “Mahnungen” des Machthabers klangen ähnlich wie jetzt nach dem Anschlag:

Da war von “Panikmache” und “Verleumdungen” die Rede. Als “Verleumder” gilt, wer laut von Devisenknappheit und den daraus folgenden wirtschaftlichen Problemen spricht.

Präsident Lukaschenko sucht Hilfe bei seinem russischen Kollegen Medwedjew. Russland aber dreht die Vorzugsbedingen für die Lieferungen von Öl und Gas immer weiter zurück.