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Der Tennō kam in Freizeithose

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Der Tennō kam in Freizeithose

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Der japanische Tennō Akihito und Kaiserin Michiko haben zum erstenmal die von Erdbeben, Tsunami und Atom heimgesuchte Katastrophenregion besucht. Eine weite Reise – obwohl zwischen dem

kaiserlichen Palast in Tokio und dem Obdachlosenlager von Asahi in Nordjapan nur 85 Kilometer liegen.

Das Kaiserpaar – sonst in der öffentlichkeit kaum zu sehen und wenn, förmlich perfekt gekleidet, wanderte aus Respekt vor den Opfern in simpler Freizeitkleidung durch die Reihen.

“Ausnahmezustand” bedeutet das. Durchaus vergleichbar mit der Radioansprache des Tennō Hirohito zur Kapitulation Japans vor 66 Jahren.

Ein Respekt-Problem hat dagegen Japans Regierungschef Naoto Kan.

Opposition und Parteifreunde werfen dem Ministerpräsidenten Unfähigkeit im Umgang mit der Krise vor, viele fordern seinen Rücktritt. So hatte Kan jüngst zunächst erklärt, die Evakuierungszone rund um die Atomruine Fukushima bleibe für die nächsten 10 bis 20 Jahre unbewohnbar. Dann nahm er diese Aussage zurück.

Rund um das explodierte Atomkraftwerk hat die Polizei mit der Suche nach Leichen begonnen – zehn Tote wurden in den ersten Stunden geborgen.

Die Atomkrise ist längst nicht gelöst. Kühlung und große Mengen radioaktives Wasser erfordern immer neue Notfallpläne.

Seit der Katastrophenserie vor fünf Wochen sind 28 000 Japaner tot oder vermißt.