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Nach dem Mord an Geisel im Gazastreifen: Italien ermittelt

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Nach dem Mord an Geisel im Gazastreifen: Italien ermittelt

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Der Mord an einem von mutmaßlichen Salafisten im Gazastreifen entführten Italiener erschüttert seine Landsleute. Die Staatsanwaltschaft in Rom leitete Ermittlungen wegen Entführung zu terroristischen Zwecken mit Todesfolge ein.

Der inzwischen 36-jährige propalästinensische Aktivist Vittorio Arrigoni lebte seit 2008 im Gazastreifen. Er gehörte einer internationalen Solidaritätsorganisation an und hatte über die Geschehnisse im Nahen Osten auch journalistisch berichtet. Außerdem schrieb er das Buch “Gaza. Bleiben wir menschlich”.

Seine Mutter erklärt in Anspielung auf das Buch ihres Sohnes: “Vittorio hat immer gesagt: Bleiben wir menschlich, sogar in den schwierigsten Momenten, wie während des Gaza-Krieges. Damals habe ich ihn öfter gefragt, Vittorio, wie kannst du, wie können wir menschlich bleiben? Und er antwortete: Trotz allem muss immer in unserem Innern etwas Menschlichkeit bleiben, und die müssen wir auch den anderen weitergeben.”

Freunde und mehrere Organisationen riefen zu Gedenkkundgebungen für Arrigoni auf. Er war am Donnerstag entführt und nach Angaben der Sicherheitskräfte im Gazastreifen kurz danach ermordet worden. Zwei mutmaßliche Kidnapper wurden festgenommen.

“Es tut mir um so mehr Leid, als er ein Freiwilliger war, und bestimmt nicht dort, um Krieg zu führen, sondern um eine Lösung in dem Konflikt zu finden”, fasst ein Passant in Rom seine Gefühle zusammen. “Leider befürchte ich, dass er nicht der Letzte sein wird, dem solch ein Schicksal widerfährt.”

Die Entführer hatten von der Hamas-Regierung die Freilassung ihres Anführers gefordert und ein Ultimatum gestellt. Salafisten und Hamas sind verfeindet. Das Verhör eines mutmaßlichen Gruppenmitglieds führte die Sicherheitskräfte auf die Spur zu einem verlassenen Haus, in dem Arrigoni festgehalten wurde. Zum Zeitpunkt der Erstürmung soll er schon mehrere Stunden lang tot gewesen sein.