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Rechtspopulismus auf finnisch

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Rechtspopulismus auf finnisch

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Ein stämmiger Typ in mittleren Jahren, offenes Hemd, keine Kravatte, sein Markenzeichen ist der Fanschal eines englischen Zweit-Liga-Klubs.

So sieht Populismus auf finnisch aus.

Timo Soinis Partei nennt sich die “Wahren Finnen” und fordert: Finnen zuerst.

Seit der vorigen Parlamentswahl vor vier Jahren hat die Partei ihre Wählerstimmen fast verfünffacht.

Mit Euro-Skepsis und und geschicktem Aufgreifen der Politikverdrossenheit hat der 48jährige Parteichef die Richtung vorgegeben.

So konnte er viele Nicht-Wähler mobilisieren, für die die drei etablierten Parteien einen nicht zu unterscheidenden Einheitsbrei bilden.

Von einer unerwartet heftigen Anti-EU-Rhetorik spricht der Politologe Taneli Heikka.

Finnland ist seit 1995 Mitglied der EU und als einziges skandinavisches Land auch Mitglied der Euro-Zone. Das jährliche pro-Kopf-Einkommen liegt mit 33.616 euros über dem EU-Durchschnitt.

Wie bei Rechtspopulisten auch anderswo üblich findet die Partei ihre Anhänger überwiegend unter den Verlierern der Gesellschaft.

Vor allem Männer mit vergleichsweise geringer Ausbildung haben laut Meinungsforschung für die “Wahren Finnen” gestimmt.

Parteichef Timo Soini sagt: “In der gegenwärtigen Lage verletzt die EU ihre eigenen Gesetze, die Rettungsaktionen verbieten. Das Problem ist, dass einer für die Schulden des anderen einstehen soll. Wir brauchen aber Europa als freien Wirtschaftsraum. Ich bin nicht gegen Europa. Ich bin nur gegen diese bundesstaatliche Linie, die hier seit Jahren durchgezogen wird.”

In Finnland, wo traditionell jede Partei mit jeder anderen koalliert, wenn es zur Regierungsbeteiligung führt, ist damit zu rechnen, dass die “Wahren Finnen” demnächst am Kabinettstisch sitzen.