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Interview mit Terrorabwehrexperten Greg Austin

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Interview mit Terrorabwehrexperten Greg Austin

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Euronews: “Welche Auswirkungen wird der Tod Osama bin Ladens auf Al Kaida haben? Hierzu spricht Euronews mit Dr. Greg Austin, dem Vize-Präsidenten des Ost-West-Instituts in London, Spezialist auf dem Gebiet der Terrorbekämpfung.

Dr. Austin, was plant Al Kaida jetzt?”

Austin: “Ich glaube, Al Kaida wird sich für diesen Angriff rächen. Ich glaube, besonders gefährdet sind jetzt amerikanische Botschaften etwa in Saudi-Arabien oder Pakistan. Auf längere Sicht wird wahrscheinlich ein schwerer Anschlag geplant, innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre.”

Euronews: “Glauben Sie nicht, dass die Organisation jetzt geschwächt ist?”

Austin: “Die Organisation ist sicherlich geschwächt. Sie war vorher schon geschwächt, durch den Druck, den die USA und ihre Verbündeten während der vergangenen zehn Jahre auf sie ausgeübt haben. Aber sie existiert weiter. Wir wissen, dass Al Kaida aktive Gruppen in der ganzen Welt hat. Außerdem lebt bin Ladens Stellvertreter noch.

Ein Problem, das sich für Al Kaida jetzt stellt ist das folgende: Die Organisation muss ihre Kontakte und Aktionen herunterschrauben. Die Mitglieder müssen sich in der nächsten Zeit bedeckt halten, damit sie nicht noch weiter angegriffen werden. Al Kaida wird innerhalb von einem oder zwei Jahren zuschlagen, nicht sofort.”

Euronews: “Glauben Sie, dass ein toter bin Laden dem Heiligen Krieg der Muslime eher dienlich ist als ein lebendiger?”

Austin: “Ich glaube, dass der Tod bin Ladens die Gruppe um ihn herum wachrüttelt, aber auf die ganze Welt gesehen stärkt ein toter bin Laden den Jihad nicht. Er war schon lebendig ein Held für so manchen in der muslimischen Welt, aber er hatte auf der anderen Seite in den vergangenen zehn Jahren an Glaubwürdigkeit verloren. Ich glaube, die meisten Muslime sehen Terror nicht als rechtmäßiges Mittel zum Zweck an.”

Euronews: “Bin Laden wurde in Pakistan entdeckt. Wie wirkt sich das auf die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan aus?”

Austin: “Es ist sehr besorgniserregend, dass Osama bin Laden tatsächlich dort lebte, noch dazu in der Nähe einer pakistanischen Militärbasis. Das Verhältnis zwischen Pakistan und den USA wird aber davon nicht beeinflusst. In der Bevölkerung Pakistans gibt es Stimmen, die extremistische Gewalt befürworten. Die Regierung kann da wenig tun. Sie bemüht sich.

Dass Osama bin Laden sich in Pakistan aufhielt, kommt nicht als Überraschung. Daher wird es auch keine Kursänderung der Amerikaner gegenüber Pakistan geben.

Washington wusste schon lange, dass bin Laden in Pakistan viele Unterstützer hatte. Daran hat sich nichts geändert.

Die USA könnten jetzt mehr Druck auf Pakistan ausüben, damit weitere Aktionen gegen Extremisten in dem Land durchgeführt werden können.”