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20 Jahre Biosphäre 2

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20 Jahre Biosphäre 2

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Es ist ein Menschheitstraum, einen neuen Planeten zu besiedeln. Aber können Menschen überhaupt in einer Biospäre auf einem anderen Planeten überleben? Vor 20 Jahren versuchten Wissenschaftler in der Wüste des US-Bundesstaates Arizona, genau das herauszufinden. Mit der Biosphäre bauten sie eine Miniatur einiger Ökosysteme auf der Erde. Weil sie die Erde als Biosphäre 1 betrachteten, nannten sie ihr Gebäude Biosphäre 2.

Matt Adamson vom Projekt erzählt:“Sie wurde gebaut als ein geschlosssenes System. Wir wollten herausfinden, wie lange Menschen in dieser Umgebung leben können. Können sie genug Nahrung anbauen? Können sie genug Wasser recyclen? Können sie die Luft atmen, auch nach Jahren?”

Es gab mehrere Umgebungen: zum Beispiel tropischen Regenwald, eine Savanne und einen Ozean mit mehr als 2 Millionen Litern Wasser. Dazu die Tiere, die in einer solchen Umgebung leben.

Am 26. September 1991 zogen die acht Bewohner in die Biosphäre, es waren 4 Frauen und vier Männer.

Sie sollten dort 2 Jahre lang in ihrer abgeschotteten Umgebung bleiben, ohne Nahrungs-und Luftzufuhr von außen.

Aber sie hatten schon bald Probleme.

Der Beton absorbierte den Sauerstoff. Die Verantwortlichen mussten 23 Tonnen Sauerstoff in das System pumpen.

Es gab Berichte, wonach ein CO2-Filter in die Biosphäre eingebaut wurde, die Pflanzen konnten demnach nicht für genug Sauerstoff sorgen. Kakerlaken und Ameisen breiteten sich verstärkt aus, dafür entwickelten sich andere Insekten nicht richtig.

Die Bewohner magerten ab, weil sie nicht genug Nahrung anbauen konnten.

Für das größte Problem aber sorgten die Bewohner selbst: Sie waren nach einiger Zeit hoffnungslos zerstritten.

Die Versuchsteilnehmerin Jane Poynter erzählt:“Das passiert in der Antarktis, das passiert im Weltraum, wenn Menschen längere Zeit eng zusammen sind. Und es passierte uns. Die Gruppe zerfiel. Und es waren keine Cliquen, die sich immer mal wieder ändern oder entwickeln. Das waren zwei Gruppen, die sich einander wie aus Schützengräben befehdeten. Selbst heute, fast 20 Jahre danach, haben diese beiden Fraktionen immer noch nicht zusammen gefunden.”

Jane Poynter war die erste, die Probleme bekam. Nur wenige Wochen nach dem Start der Mission trennte ihr eine Maschine eine Fingerspitze ab.

Der Sauerstoffmangel machte dem Team zu schaffen: die Mitglieder wurden lethargisch, kurzatmig, teilweise setzte im Schlaf ihre Atmung aus und sie litten unter plötzlichen Stimmungsschwankungen. Ergebnis: Die Mission wurde abgebrochen.

Kurz vor dem 20. Jahrestag der Biosphäre betrachten die Wissenschaftler die Ergebnisse des Projektes mit gemischten Gefühlen.

Aber die Gebäude werden heute noch genutzt: Die Universität von Arizona hat hier ein Forschungslabor eingerichtet, das sich in vielen Experimenten mit dem Klimawandel beschäftigt.

Derzeit entsteht eine Anordnung, die die Entwicklung von Regenwasser beobachten wird.

Viele Forscher meinen, dass die Biosphäre heute wichtigere Erkennnisse liefert als 1991 und uns helfen wird, auf einem immer wärmeren Planeten zu überleben.

Matt Adamson findet, dass die Biosphäre 2 heute eine wichtige Forschungseinrichtung geworden ist:“Es gibt nirgendwo auf der Welt etwas von dieser Größe, in dem wir alles kontrollieren können, von der Temperatur bis hin zur Zusammensetzung der Gase in der Atmosphäre.”

Und zudem hat sich die Biosphäre zu einer Touristenattraktion gemausert: sie zählt pro Jahr rund 100 00 Besucher.

Nach zwei Jahrzehnten hat die Biosphäre nicht das geleistet, wozu sie gebaut wurde: Herauszufinden, ob Menschen in einer künstlichen Umgebung überleben können. Aber viele halten dieses einzigartige und teure Projekt für absolut lohnend.