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Wie zuverlässlich ist Pakistan als US-Verbündeter?

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Wie zuverlässlich ist Pakistan als US-Verbündeter?

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In Pakistan wächst die Angst vor Vergeltungs-Anschlägen, nachdem eine amerikanische Spezialeinheit Osama bin Laden getötet hat.

Der “Hohe Kommissar” Pakistans in Großbritannien, Wajid Shamsul Hasan – der Rang entspricht dem eines Botschafters, nennt es einen “Schlag unter die Gürtellinie”. Jederman sage jetzt:“Wir müssen Pakistan fragen, warum sie nicht wussten, dass Osama dort war.”

Eine mögliche Antwort steckt in der Personalstruktur von Militär und Geheimdienst.

Dort dienen noch viele Offiziere, die einstmals mit US-Hilfe die Taliban ausgebildet haben.

Für den Kampf gegen die Sowjet-Truppen.

Drei Milliarden Dollar haben die USA in den 80er Jahren investiert, um eine Kraft zu schaffen, die sie – wie Goethes Zauberlehrling – nicht mehr loswerden.

Ende der 90er Jahre gelang Pakistan der Aufstieg zur Atommacht. Nach dem ersten gelungenen unterirdischen Test 1998 sagte der damalige US-Präsident Clinton seinen Besuch ab, Hilfsgelder wurden eingefroren.

Im Oktober ´99 putschte sich General Muscharraf an die Macht. Inzwischen galten die in Afghanistan herrschenden Taliban in Westen als eine Bande mittelalterlicher Kulturbanausen. Zum Feind des Westens wurden sie endgültig, als sie dem Ober-Terroristen Osama bin Laden Gastrecht gewährten.

Die mit bisher ungekannter Grausamkeit verübten Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 waren für westliche Geheimdienste das Signal, sich auf einen neuen Feind zu konzentrieren.

Es folgte – 9/11. Terrorismus in einer bisher unbekannten Qualität, skrupellos auch im Umgang mit dem Leben der eigenen Leute. Und daher so schwer zu fassen.

Pakistan hat sich danach keinesfalls freiwillig auf die Seite der USA geschlagen. Der damalige Präsident Muscharraf schreibt in seinen Memoiren, die US-Regierung habe ihm damals gedroht, sein Land “in die Steinzeit zurück zu bomben”, sollte er nicht kooperieren. Kein Wunder, dass diese Kooperation im eigenen Sicherheitsapparat bis heute hoch umstritten ist. Der frühere Chef des militärischen Geheimdienstes etwa nennt bin Laden einen “Freiheitskämpfer” und Selbstmordattentate die “Waffe des armen Mannes”.

Das passt genau zu den Wikileaks-Veröffentlichungen vom Juli 2010, wonach man in Washington so seine Zweifel an der Zuverlässigkeit der pakistanischen Verbündeten hatte.