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Mazedonien: Wie bringt man den wirtschaftlichen Motor zum Laufen?

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Mazedonien: Wie bringt man den wirtschaftlichen Motor zum Laufen?

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Die vielen Baukräne in Mazedonien stehen symbolisch für den Umbruch, den das Land zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit vom früheren Jugoslawien erlebt. Was treibt diesen Wandel an, welche Herausforderungen stehen für die Wirtschaft an?

Wie andere Länder hat auch Mazedonien mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen. Die Regierung zeigt sich dennoch vorsichtig optimistisch und spricht von allmählicher Erholung. Die Staatsausgaben wurden auch hier deutlich erhöht, um die Wirtschaft anzukurbeln.

“In unserem Haushalt 2011 haben wir die Ausgaben um 30 Prozent im Vergleich zu 2010 erhöht. Das ist unsere Politik, um die heimische Industrie und den Bausektor zu stützen, und um den Rückgang der Nachfrage aus dem Ausland während der Krise und direkt danach abzufedern”, erklärt Finanzminister Zoran Stavreski.

Dieses Jahr erwartet die Regierung ein Wirtschaftswachstum von etwa drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Es war nicht leicht für die Mazedonier, aus den turbulenten Zeiten der Vergangenheit herauszukommen.

Die hohen wirtschaftlichen Erwartungen fußen auf Unternehmen wie Alkaloid, einer der führenden Firmen des Landes, die ein breites Spektrum von Pharma-, Kosmetik- und Chemieerzeugnissen abdeckt, und die in immer neue Märkte im Ausland vorstößt.

Mehr Beschäftigung und einen höheren Lebensstandard für die Mazedonier zu schaffen, das sollten nach Meinung der Experten die Prioritäten für die Zukunft sein. Eine solide, dynamische Unternehmerschaft wird dabei ein Schlüssel zum Erfolg sein.

Diese Unternehmerschaft braucht aber auch dynamische Arbeitskräfte. In Mazedonien konzentriert man sich dabei vor allem auf die Ausbildung, um die junge Generation für die Weltwirtschaft fit zu machen. Doch auch hier ist der Braindrain, das Abwandern hochqualifizierter und talentierter Leute ins Ausland, ein Problem.

“Um den Braindrain zu verhindern – denn viele helle Köpfe verlassen das Land wegen der hohen Arbeitslosigkeit – müssen wir uns stärker auf die eigenständige Schaffung von Arbeitsplätzen konzentrieren, aufs Unternehmertum. Wir müssen den Studenten klar machen, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Das ist meiner Ansicht nach die Zukunft Mazedoniens”, sagt Universitätsprofessor Radmil Polenakovik.

In der Welthandelsorganisation ist Mazedonien schon Mitglied, bei der Europäischen Union hat es den Beitrittsantrag eingereicht. Um mit der internationalen Wirtschaft konform zu gehen, waren auch hier Rechts- und Finanzreformen nötig. Die größte Herausforderung ist aber die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Während die Hoffnungen sich darauf richten, dass weitere kleine und mittelständische Unternehmen entstehen und Stellen schaffen, bemüht sich das Land auch, ausländische Direktinvestoren anzulocken. Spezielle Industrie- und Gewerbegebiete wurden errichtet, mit Anreizen wie Steuervergünstigungen, bürokratischen Erleichterungen und vereinfachter Regulierung für die Unternehmen.

“Die Suche nach Investoren ist ein wildes Spiel geworden, es herrscht harter Wettbewerb unter den Ländern vor allem in Mittel- und Osteuropa”, resümiert Viktor Mizo von Invest Macedonia. “Wir müssen mit den anderen mithalten können, und einige sind schon EU-Mitglieder – wir müssen mithalten können bei Qualität, Arbeitskosten, Logistik und der Qualität der Infrastruktur.”

Der britische Johnson Matthey-Konzern, eine der weltweiten Größen in der Emissionstechnologie, hat sich hier schon angesiedelt. Modernste Katalysatoren werden in der Anlage produziert. Die örtlichen Behörden drücken nun die Daumen, das andere ausländische Konzerne Johnson Matthey nach Skopje folgen.