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Prozess gegen mutmaßlichen Nazi-Verbrecher beginnt


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Prozess gegen mutmaßlichen Nazi-Verbrecher beginnt

In Ungarn hat einer der letzten Nazi-Kriegsverbrecherprozesse begonnen. Der Ungar Sandor Kepiro soll im Jahr 1942 im serbischen Novi Sad am Massaker von mehr als 1000 Juden, Roma und Serben beteiligt gewesen sein.

Vor Gericht muss sich der 97-jährige frühere ungarische Offizier wegen der Ermordung von 36 Menschen verantworten. Kepiro bezeichnete den Prozess als “Zirkus”. “Ich bin unschuldig. Ich bin der letzte Lebende, alle anderen sind tot.”

Serbien hatte 2008 zusammen mit dem Wiesenthal-Zentrum ein Verfahren gegen Kepiro verlangt.

Der Direktor des Zentrums erklärte: “Es handelt sich um den ältesten Nazi-Kriegsverbrecher, der jemals vor Gericht gestellt wurde. Das ist eine wichtige Botschaft: Wenn jemand ein Verbrechen begeht, wird es auch noch Jahrzehnte später Bemühungen geben, ihn zur Rechenschaft zu ziehen.”

Vor dem Gericht versammelten sich rund 30 Studenten, die gelbe Davidsterne trugen und Gerechtigkeit forderten. Kepiro gibt zu, bei der Razzia vom 21. bis 23. Januar 1942 dabei gewesen zu sein, beteuert aber, von den Massakern nichts gewusst zu haben. Es habe sich nur um eine Razzia gehandelt.

Teodor Kovac überlebte das Massaker. Aber er verlor 15 Familienmitglieder. Der heute 89-Jährige betonte: “Kepiro muss bestraft werden, trotz seines Alters. Er ist 97 Jahre alt, es tut weh, solange der Mann noch lebt. Also lassen wir ihn auch leiden, für das was er getan hat. Es ist in gewisser Weise Rache, aber auch Bestrafung und eine Warnung an andere.”

Kepiro floh nach Kriegsende nach Argentinien. Erst 1996 kehrte er nach Ungarn zurück, wo er schlussendlich aufgespürt wurde.

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