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Fünf Jahre Haft für John Demjanjuk - trotzdem kommt er frei

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Fünf Jahre Haft für John Demjanjuk - trotzdem kommt er frei

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Fünf Jahre Haft – so lautet das Urteil gegen John Demjanjuk, beteiligt am Völkermord der Nazis an den Juden.

Das Landgericht in München ließ ihn aber trotzdem nach der Verhandlung frei: wegen seines hohen Alters und der schon absolvierten zwei Jahre Untersuchungshaft. Eine weitere Zeit im Gefängnis sei nicht verhältnismäßig, Fluchtgefahr bestehe nicht: Der Haftbefehl wurde aufgehoben.

Demjanjuk, heute 91 Jahre alt, war ab 1943 als Wachmann im Konzentrationslager Sobibor. Dort leistete er Beihilfe zum Mord an mindestens 28000 Juden, urteilten die Richter.

Demjanjuk konnte keine konkrete Tat zugeschrieben werden. Für die Anklage wie auch für die Richter war aber klar: Sobibor diente einzig und allein zur planmäßigen Ermordung von Menschen. Wer dort Dienst tat, war dadurch auch mitschuldig.

Demjanjuk stand schon einmal vor Gericht, in den achtziger Jahren in Israel. Damals hielt man ihn für den Wachmann “Iwan den Schrecklichen” aus dem KZ Treblinka und verurteilte ihn zum Tode.

Dieses Todesurteil wurde aber nach Jahren aufgehoben; “Iwan der Schreckliche” war offenbar doch jemand anders gewesen. Demjanjuk kam wieder frei und kehrte zurück in seine Wahlheimat USA.

Dann aber tauchten die Vorwürfe aus Sobibor auf. Wieder wurde gegen Demjanjuk ermittelt: Vor zwei Jahren wiesen die USA ihn erneut aus, diesmal nach Deutschland. In München begann der Prozess gegen ihn, der nun – nach anderthalb Jahren – zu einem Ende gekommen ist.

Demjanjuks Anwälte hatten angekündigt, sie würden einen Schuldspruch anfechten: Ob sie nach der Freilassung dabei bleiben, ist unbekannt. Sie bestreiten, dass er jemals in Sobibor war. Sein Dienstausweis von damals ist für sie eine Fälschung. Demjanjuk selbst hat sich in dem Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert.

> Enttäuschung über Demjanjuks Freilassung trotz Schuldspruchs