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"Der Iran bricht bei der Todesstrafe eigene Gesetze", amnesty international im Interview

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"Der Iran bricht bei der Todesstrafe eigene Gesetze", amnesty international im Interview

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Amnesty international feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag und an diesem Freitag hat die Menschenrechtsorganisation ihren Jahresbericht vorgelegt. China und Iran haben mehr Todesstrafen verhängt als je zuvor. Wir sprechen mit Drewery Dyke in London, der bei amnesty international für den Iran zuständig ist.

Hossein Alavi, euronews:

“Was ist das Hauptproblem bei diesen Ländern, wie dem Iran, die seit Jahren systematisch Menschenrechte verletzten. Was muß geschehen?”

Drewery Dyke, amnesty international:

“Am allerwichtigsten für die Durchsetzung der Menschenrechte ist der Wille der Staaten diese Rechte anzuwenden. Haben sie wirklich vor, sich den internationalen Standards zu beugen? Im Falles des Irans haben wir regelmäßig Briefe geschrieben – und nie eine Antwort bekommen. Sie mögen wohl nicht mit uns sprechen!”

euronews:

“Wie schätzt Amnesty International die Lage von Menschenrechtlern und politischen Parteien im Iran ein?”

D. Dyke:

“Gegen Menschenrechtler, aber auch Journalisten und Studenten wird seit zwei Jahren außerordentlich hart durchgegriffen. Seit der umstrittenen Wahl hat der Druck der Repression nie nachgelassen – bis auf den heutigen Tag nicht. Aus diesem Grund sieht man jetzt, dass Menschenrechtler, Studenten und Rechtsanwälte aus dem Land flüchten.”

euronews:

“Iran ist weltweit das Land mit der zweit-höchsten Zahl an Todesstrafen. In Teheran heißt es, die Todesstrafe werde in Einklang mit der nationalen Gesetzgebung und der Sharia verhängt. Was halten sie von dieser Erklärung?”

D. Dyke:

“Das mag natürlich teilweise im Einklang mit der Gesetzgebung des Landes sein. Trotzdem hat der Iran internationale Verpflichtungen, weil er internationale Vereinbarungen unterzeichnet hat, die gewisse Standards vorschreiben. Aber im Iran wird selbst das eigene Gesetz gebrochen, zum Beispiel im Fall der Verurteilung und Exekution von Jugendlichen. Außerdem werden die eigenen Reglungen für eine angemessene Verteidigung mißachtet. Im Falle der Todesstrafe verstößt der Iran gegen seine eigenen Gesetze!”

euronews:

“Amnesty International hat natürlich keine Macht, seine Standpunkte durchzusetzen. Wie könnte eine Lösung aussehen? Was erwarten sie von den vereinten Nationen, um Organisationen wie ihrer mehr Einfluss zu ermöglichen?”

D. Dyke:

“Wenn es um die Verbreitung und Durchsetzung von Menschenrechten geht, sehen wir eher auf die Menschen, auf die Völker – die für Freiheit und Menschenrechte kämpfen – als auf die großen Instititionen. Wenn ein Volk wirklich im eigenen Land die Todesstrafe abschaffen will , dann wird das früher oder später auch gelingen.”