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Strauss-Kahn: Charismatiker mit kleinen Schwächen

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Strauss-Kahn: Charismatiker mit kleinen Schwächen

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Dominique Strauss-Kahn ist ein Mann mit vielen Gesichtern. 1949 als Sohn einer jüdisch-marokkanischen Familie in einem Pariser Nobelvorort geboren, wurde der charismatische Jurist und Wirtschaftswissenschaftler 1997 französischer Finanzminister – und machte auf sich aufmerksam, indem er das Budgetdefizit auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts drückte. 1999 musste er allerdings wegen Korruptionsvorwürfen zurücktreten, erst danach bescheinigte ihm ein Gericht seine Unschuld.

Der französischen Politik blieb er dennoch treu. Wenige Jahre später war er wieder in die Spitze der Sozialistischen Partei aufgestiegen und wollte schon 2007 für die Präsidentschaft kandidieren – aber er unterlag im parteiinternen Duell gegen Segolene Royal. Der damals neugewählte Präsident Nicolas Sarkozy schlug Strauss-Kahn für den Posten des Direktors des Internationalen Währungsfonds vor – am 1. November 2007 trat DSK, wie man ihn vor allem in Frankreich nennt, sein neues Amt an. Und auch hier zeigte er sich tatkräftig: Er strukturierte den IWF neu und sorgte dafür, dass die bereits totgesagte Institution in der Finanzkrise zu einem wichtigen Krisenhelfer wurde.

Aber da waren auch immer wieder Skandale, etwa um ein Foto mit Porsche oder – schwerwiegender – die Affäre mit einer IWF-Mitarbeiterin. Strauss-Kahns dritte Frau Anne Sinclair hielt zu ihm, er überstand die Krise unbeschadet. Diesmal freilich steht sein zweiter Versuch der Präsidentschaftskandidatur auf dem Spiel. Eigentlich wollte Dominique Strauss-Kahn gegen Nicolas Sarkozy antreten, seine Chancen schienen hervorragend, in Umfragen führte er klar, obwohl er offiziell noch nicht einmal Kandidat war. Nach der New Yorker Sexaffäre allerdings dürfte der Traum vom Elysee-Palast für DSK wohl endgültig geplatzt sein.