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Nanni Moretti analysiert den Papst

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Nanni Moretti analysiert den Papst

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Mit einer Satire über den Vatikan ist der Italiener Nanni Moretti auf dem Filmfestival in Cannes im Wettbewerb. “Habemus Papam” erzählt von einem Papst, der keiner sein will. Soeben zum heiligen Vater ernannt, erleidet der Neue einen Nervenzusammenbruch. Zu groß erscheint ihm die Last des Amtes. Ein klarer Fall für den Diwan. Der Krisenpapst, dargestellt vom Franzosen Michel Piccoli, bekommt einen Seelenklempner. Der Streifen schwankt zwischen Drama und Komödie. “Gerade die Tatsache, dass es der Papst ist, gibt dieser Geschichte einen universellen Charakter”, erklärt Nanni Moretti im Gespräch mit euronews-Reporter Frédéric Ponsard. “Wenn ich diese Geschichte mit einer Hauptfigur erzählt hätte, die es wagt, ‘Nein’ zu sagen, auf die Macht zu verzichten und die eigenen Schwächen zu erkennen, wäre dieser Film, meiner Meinung nach, weniger relevant geworden. Wenn ich diese Situation zum Beispiel aus der Sicht eines Politikers oder eines Finanzmanagers erzählt hätte, hätte es nicht so gut funktioniert”.

Nanni Moretti selbst schlüpft in die Rolle des Psychiaters, der vom Beraterstab in aller Eile in den Vatikan bestellt wird und vor versammelter Kardinalsrunde die päpstliche Psyche durchforstet. Er folgt dabei der dringenden Empfehlung, weder die Kindheit, noch “unterdrückte Bedürfnisse” anzusprechen.