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China: Besser über Menschenrechte als über den Yuan diskutieren

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China: Besser über Menschenrechte als über den Yuan diskutieren

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Rivalen oder Partner – Konfrontation oder Kooperation: Europas kompliziertes Verhältnis zu China rückt in dieser Woche mit dem Besuch von EU-Präsident Hermann Van Rompuy in der Volksrepublik erneut ins Blickfeld. Über die Hintergründe haben wir mit Robert Lawrence Kuhn gesprochen, einem langjährigen Berater der chinesischen Regierung und Autor zahlreicher Fachbücher, der regelmäßig bei uns chinesische Themen kommentiert.

euronews:

“Herr Kuhn, Europa hat ein riesiges Handelsdefizit gegenüber China. Hat die Regierung in Peking die Oberhand, versucht sie, die Regeln zu diktieren? Wer braucht wen mehr?”

Robert Lawrence Kuhn:

“Tatsächlich halten sich beide gegenseitig als Geiseln. China braucht Europa, weil Europa ein gewaltiger Markt für China ist, und auch, weil es als Gegengewicht zu Chinas Beziehungen zu den USA dient. Diese Woche zum Beispiel, während in Washington der strategische und ökonomische Dialog zwischen China und den USA stattfand, haben die chinesischen Medien das Verhältnis zu Europa hochgespielt, wie um zu sagen: Wir können den einen mit dem anderen aufwiegen.”

euronews:

“Peking war in der gegenwärtigen Krise eine wichtige Stütze für den Euro, indem es Anleihen klammer Staaten kaufte. Doch wie lange hält diese Unterstützung an – haben die Chinesen nicht allmählich genug davon, dass die Europäer die Probleme mit ihrer Währung nicht in den Griff bekommen?”

Robert Lawrence Kuhn:

“China braucht Europa genauso, wie Europa China braucht. Und China will seine Devisenreserven, die inzwischen die drei Billionen US-Dollar übersteigen, diversifizieren. Deshalb ist es für China ganz wesentlich, Europa zu stützen. Sie werden alles tun, um Europa als starke Einheit in der Welt aufrechtzuerhalten. Wir haben es bei China mit einem riesigen Land zu tun, es geht um seine Zukunft, und China will, dass Europa erfolgreich bleibt, um Chinas Wirtschaft am Laufen zu halten, und auch um ein politisches Gleichgewicht zu haben.”

euronews:

“Herr Van Rompuy wurde von einigen nationalen Regierungen gedrängt, die Menschenrechte anzusprechen, insbesondere den Fall des festgenommenen Künstlers Ai Wei Wei. Das ist ein sehr heikles Thema für beide Seiten. Wie hat Peking die Sache behandelt?”

Robert Lawrence Kuhn:

“Die Menschenrechtslage kann aus westlicher Sicht sehr bedauerlich sein. Aber hier in China reden nicht viele darüber. Einige Personen wurden unter Hausarrest gestellt. Das chinesische Volk im Großen und Ganzen denkt darüber nicht nach. Im großen Überblick gesehen ist es aus chinesischer Sicht besser, wenn die Vereinigten Staaten und Europa über Menschenrechtsverletzungen in einigen Einzelfällen klagen, als wenn sie sich über die Währung beklagen – denn da tut es China richtig weh. Das Augenmerk des Westens auf die Menschenrechtsfrage – das hört sich schön an, hat aber aus Sicht der chinesischen Führung kaum Bedeutung.”

euronews:

“Danke, Herr Kuhn, für Ihre nützlichen Einblicke.”