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Lagarde, Weber, Trichet - oder ein Vertreter der Schwellenländer als IWF-Chef?

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Lagarde, Weber, Trichet - oder ein Vertreter der Schwellenländer als IWF-Chef?

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Der Reigen um die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn ist eröffnet. Als gute Besetzung gilt Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Allerdings droht ihr in der Heimat ein Prozess wegen einer früheren Finanzaffäre. Und Frankreich hat schon mehrere IWF-Chefs gestellt.

Lagarde bleibt zur Frage diplomatisch: Sie sei überzeugt, dass Europa der richtige Weg sei, und jegliche Entscheidung sollte europäische Unterstützung haben, wie sie auch ausfalle.

Verklausuliert das, was aus der EU-Kommission und etlichen Mitgliedsstaaten klipp und klar gesagt wird: Europa will einen europäischen Kandidaten an der IWF-Spitze, so, wie es traditionell auch bisher der Fall war. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu denen, die auf einen Europäer pochen, und sie sieht dafür gute Gründe:

“Ich glaube, in der augenblicklichen Situation, dass wir auch erhebliche Probleme mit dem Euro haben, dass der IWF hier sehr stark eingebunden ist, da spricht doch manches dafür, dass es möglich ist, einen europäischen Kandidaten aufzustellen und auch dafür zu werben innerhalb der Staatengemeinschaft” – und außerdem habe Strauss-Kahn sein Mandat ja auch nicht beendet, erklärte sie nach dem Rücktritt von Strauss-Kahn.

Brasilien und China hingegen pochen auf mehr Gewicht für Schwellen- und Entwicklungländer: Der IWF solle seine Reformen fortsetzen, die Chefwahl müsse fair und transparent ablaufen, und die Entwicklungsländer sollten stärker in den Führungsetagen repräsentiert sein, bekräftigte eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums an diesem Donnerstag erneut.

Dank der Stimmrechts- und Quotenreformen, die gerade Dominique Strauss-Kahn vorangetrieben hat, haben die Schwellenländer inzwischen mehr Einfluss im IWF. Doch noch sind die europäischen Länder zusammengenommen mit gut einem Drittel der Quoten und die USA mit rund 18 Prozent Quote die größten Kapitaleigner des Fonds – und haben damit auch die meisten Stimmrechte.