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ABC-Journalist: Strauss-Kahn Prozess werde fair verlaufen

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ABC-Journalist: Strauss-Kahn Prozess werde fair verlaufen

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Das bisschen Freiheit von Dominique Strauss-Kahn kostet 140.000 Euro pro Monat – soviel zahlt der verschiedener Sexualdelikte verdächtigte ehemalige IWF-Chef nur für seine eigene Bewachung. Die Miete kommt noch dazu, sei es in einem Appartmenthaus in der Upper East Side New Yorks, wo man DSK nach der Gefängnisentlassung erwartet – oder später in einem ähnlichen Gebäude in der Upper West Side.

Der Richter hatte strikte Bedingungen definiert, bei Verstoß geht es zurück hinter Gitter: Kaution und Bankbürgschaften in Millionenhöhe, unter anderem elektronische Fussfessel, Protokoll über jeden Besuch und jede Bewegung.

Wie geht es weiter ?

Am 6. Juni wird offiziell Anklage erhoben. Ohne außergerichtliche Einigung droht ein monatelanger Sensationsprozess, Beginn frühstens nach einem halben Jahr.

Das wäre dann 2012, im Jahr der Präsidentenwahl in Frankreich.

Alasdair Sandford, Euronews: “Der Fall stößt auf beiden Seiten des Atlantiks auf großes Interesse. Und das ist erst der Anfang. Wir sprechen nun mit ABC-Korrespondent T.J. Winick in New York. Die Anklage ist formal erhoben worden. Bedeutet das, dass es unvermeidlich zum Prozess kommen wird?”

T.J. Winnik, ABC-Journalist in New York: “Derzeit denke ich, dass das zutrifft. Bei der Anklageerhebung wurden sieben schwere Vergehen genannt, die bis zu 25 Jahre Gefängnis führen können. Dominique Strauss-Kahn ist 62 Jahre alt, das bedeutet also lebenslang. Wir wissen, dass er über unbegrenzte Geldmittel verfügt. Also denke ich, dass seine Anwälte eine rigorose Verteidigung aufbauen: Zu Sex sei es in dem Hotelzimmer in Manhattan am vergangenen Samstag gekommen, aber in beidseitigem Einverständnis. Denn ich kann nicht nachvollziehen, was Dominique Strauss Kahn bei einem Vergleich mit der Strafverfolgung gewinnen könnte.”

Euronews: “Viele Menschen in Frankreich sehen die Fernsehbilder als den Beginn eines Schauprozesses. Wird ihm ein fairer Prozess gemacht werden, wenn es dazu kommt?”

T.J. Winick: “Ich denke, der Prozess wird fair verlaufen. Die momentane Haltung der Franzosen überrascht mich nicht. Ich habe eine Umfrage gesehen, wonach 57% der Franzosen denken, dass Dominique Strauss-Kahn Opfer eines Komplotts wurde. Ich denke, dass es einen kulturellen Unterschied in Frankreich gibt: Dort ist es nicht erlaubt, den Angeklagten in Handschellen zu zeigen, so wie wir Dominique Strauss-Kahn auf allen New Yorker Boulevardzeitungen sehen konnten. Ich denke, wenn er erst einmal im Gerichtssaal ist und der Prozess beginnt, dann wird ihm ein fairer Prozess gemacht. Dann wird wohl Aussage gegen Aussage stehen. Aber es herrscht die Auffassung, dass ihm trotz der negativen Bilder in den Medien ein fairer Prozess gemacht wird.”

Euronews: “Und die negativen Darstellungen im Vorfeld des Prozesses, werden die dem mutmaßlichen Opfer helfen?”

T.J.Winick: “Vielleicht ja, denn alles, was wir darüber hören, spricht zu ihren Gunsten. Die DNA Spuren, die die Ermittler in dem Hotelzimmer gefunden haben, die Tatsache, dass sie sofort danach zu den Behörden ging und keine Zeit verstreichen ließ. Die Tatsache, dass sie Dominique Strauss-Kahn bei der Polizei problemlos identifizieren konnte. Und die Tatsache, dass eine der Hotelkarten, mit denen man auf das Zimmer kommt, belegt, die beiden waren gleichzeitig für 15 Minuten am vergangenen Samstag in der Hotelsuite. Ich denke, alles deutet zur Zeit daraufhin, dass sie ein glaubwürdiges Opfer, eine glaubwürdige Zeugin ist. Und sie selbst hat ihrem Anwalt gesagt, dass die Gerechtigkeit siegen wird, und sie glaubt an die amerikanische Justiz. Wir wissen, dass sie Mutter eines Teenagers ist. Sie ist eine Einwanderin aus Westafrika, wo die Justiz hinterherhinkt. Deswegen vertraut sie der amerikanischen Justiz. Wir werden sehen, was passiert.”

Euronews: “Der Fall schlägt hier in Frankreich hohe Wellen. Denn Strauss-Kahn hätte im kommenden Jahr neuer Präsident werden können. Wieviel Echo gibt es in den USA und in der restlichen Welt?”

T.J.Winick: “Das ist eine interessante Frage. Ich denke, dass der Fall in Frankreich ein viel breiteres Echo findet als in den USA. Auch wenn das mutmaßliche Verbrechen hier in New York City begangen wurde. Wenn sie Menschen hier in New York oder anderswo in den USA vor zehn Tagen gefragt hätten, wer Dominique Strauss-Kahn ist, dann hätten sie das nicht gewusst. Das Individuum ist jetzt nur wegen des Skandals allgemein bekannt.”