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Lars von Trier: "....ich bin auch Kommunist"

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Lars von Trier: "....ich bin auch Kommunist"

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(Ungekürzte Originalfassung des euronews-Interviews mit dem dänischen Regisseur Lars von Trier (“Dancer in the Dark”, “Antichrist”)

euronews: “Hallo Lars, mein Name ist Wolfgang Spindler, bin ich von euronews.”

Lars von Trier: “Ja.”

euronews: “Danke für die Zusage, mit uns zu reden.”

von Trier: “Ja, ja …”

euronews: “Können wir da rüberlaufen und sprechen?”

von Trier: “Wenn Sie mich nicht da runterschubsen …”

euronews: “Ich finde, Sie wurden bereits ganz schön rumgeschubst…

(für die Zitate: “Ich verstehe Adolf Hitler” und “ich bin Nazi” wurde Lars von Trier

Mitte Mai von den Festspielen in Cannes ausgeschlossen.)

…wie konnten Sie vergessen und ignorieren, dass Witze über Adolf Hitler, Nazis und Juden sehr gefährlich werden können?”

von Trier: “Weil ich eine Menge solcher Witze reiße, aber privat. Das Einzige, was ich vergaß, und das war extrem dumm, war, dass diesmal die Welt zuhörte. Ich dachte, alles in Ordnung, und plötzlich driftete ich irgendwo hin, wo es völlig idiotisch wurde. Das tut mir leid.

Eine Lösung wäre einerseits, ich bleibe weg von diesen Pressekonferenzen, weil das nicht meine Szene ist – auf der anderen Seite könnte ich völlig auf Politiker umsteigen und meinen seltsamen Humor abschütteln. Das wäre aber schlecht für mich und den Rest meines Lebens. Also lasse ich lieber nur diese Pressekonferenzen fallen.”

euronews: “Künstler sein bedeutet auch, Grenzen zu überschreiten. In diesem Fall wurden Sie wirklich bestraft für Ihre Grenzverletzung…”

von Trier: “Normalerweise sind meine Provokationen intelligenter, weil es einen Grund dafür gibt. Hier lag der Fehler bei mir, es war Unsinn, und es gab keinen Grund, irgendwen schlecht aussehen zu lassen. Es war ein Fehler.”

euronews: “Wie stellen Sie sich eine Beruhigung des Verhältnisses zum Festival in Cannes vor?”

von Trier: “Ich habe mich entschuldigt, so weit ich konnte, aber es gibt einige Dinge, die ich nicht zurücknehmen würde… zum Beispiel wollte man mich dazu bringen, zu sagen, dass Albert Speer kein großer Architekt war – was er war, meiner Ansicht nach. Das sollte ich zurücknehmen, konnte aber nicht. Ich habe mich mit meiner Entschuldigung so weit strapaziert wie ich nur konnte, weiter geht es nicht. Natürlich spreche ich mit dem künstlerischen Leiter Thierry Frémaux und Festivalpräsident Gilles Jacob, und wenn es etwas gibt, was ich für sie tun kann, dann mache ich das natürlich. Mal sehen, Zeit heilt alle Wunden, heißt es.”

euronews: “Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen Glück mit Ihrer Karriere und noch viele, viele Filme.”

von Trier: “Danke sehr…”

euronews: “Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben …”

(…..von Trier streckt seine Hand vor, auf die Knöchel ist “FUCK” tätowiert)

von Trier: “Ich bin ein Kommunist.”

euronews: “Passen Sie auf, was Sie da sagen…”

von Trier: “Warum kann ich denn jetzt nicht auch Kommunist sein? Kann ich wohl.”