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Lagarde: Weg zur IWF-Spitze ist fast frei

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Lagarde: Weg zur IWF-Spitze ist fast frei

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Mit Christine Lagarde hat Europa eine solide Kandidatin für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds in Washington aufgestellt. Die 1956 geborene Lagarde ist gelernte Rechtsanwältin. Längere Zeit leitete sie eine Anwaltskanzlei in den USA. Seit 2007 ist sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Frankreich.

Während der Krisen von Weltwirtschaft und Euro mauserte sich die frühere Synchronschwimmerin zum Star der Szene. 2009 wählten die “Financial Times” sie zu Europas bester Wirtschaftsministerin. In der Griechenlandkrise hat sie immer wieder die europäische Solidarität betont, gleichzeitig aber scharfe Sparmaßnahmen von den Griechen verlangt. Eine Umschuldung griechischer Kredite sieht sie kritisch. Damit nimmt sie die gleiche Position ein wie Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel. Und die ließ auch eine Sympathie für Lagardes Kandidatur erkennen.

Lagarde ist die erste Frau an der Spitze des Wirtschaftsministeriums in Paris. Nach anfänglichen Fehlern gewinnt sie rasch an Format, besonders durch ihr Management während der Weltwirtschaftskrise, durch das sei Frankreich weitgehend vor Schäden bewahren konnte. Mittlerweile ist sie die am längsten amtierende Wirtschaftsministerin der Fünften Republik.

Schatten auf Karriere und Kandidatur Lagardes wirft allerdings der Fall Credit Lyonnais. Der französische Unternehmer Bernard Tapi hatte 1993 seinen Anteil an Adidas über die damals staatliche Bank Credit Lyonnais verkauft. Tapie bekam dann noch einen Nachschlag von 285 Millionen Euro, dem Lagarde gegen Widerstand aus ihrem Ministerium zustimmte.

Am 10. Juni will die Staatsanwaltschaft bekanntgeben, ob sie in dem Fall gegen Lagarde ermittelt. Sollte der Fall zu den Akten gelegt werden, ist der Weg Richtung Washinton frei für Lagrde, eine Frau, die es gewohnt ist, sich in einer männerdominierten Welt durchzusetzen.