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Interview mit Carla del Ponte über die Festnahme von Ratko Mladic

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Interview mit Carla del Ponte über die Festnahme von Ratko Mladic

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euronews:

Wir sprechen nun mit Carla del Ponte, der ehemaligen Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, guten Abend.

Knapp zehn Jahre lang haben Sie Kriegsverbrecher im ehemaligen Jugoslawien gesucht und vor Gericht gebracht.

Wie ist nun Ihre Reaktion auf die Festnahme von Ratko Mladic?

Carla del Ponte:

“Heute morgen habe ich diese sehr gute Nachricht erhalten. Die Festnahme ist sehr wichtig für die internationale Gerechtigkeit, sie ist ein Erfolg für das Tribunal, für den Chefankläger, aber sie ist auch sehr wichtig für die Opfer.”

euronews:

Der Prozess gegen Radovan Karadzic geht am Dienstag weiter. Sollte über die beiden Männer gemeinsam geurteilt werden?

Carla del Ponte:

“Ich denke ja. Denn die Anklage zielt auf die gleichen Punkte ab. Ich glaube also, dass es gut wäre, beide zusammenzubringen und Mladic und Karadzic gleichzeitig im Gericht zu haben. Schon allein, um eine Wiederholung der Zeugenaussagen zu vermeiden, die man bei zwei Prozessen hätte. Aber darüber entscheiden die Richter.”

euronews:

16 Jahre Treibjagd und nun fällt die Nachricht über die Ergreifung mit dem Serbien-Besuch der Hohen Vertreterin der EU, Catherine Ashton, zusammen. Ist das für Serbien nur ein glücklicher Zufall? Was denken Sie darüber?

Carla del Ponte:

“Ich weiß nicht, ob es Zufall ist. Aber in jedem Fall wollte Serbien seit einiger Zeit – auf Druck der Europäischen Union – diese beiden Beschuldigten festnehmen. Wahrscheinlich ist, dass sie ihre Bemühungen verstärkt haben und dass das nun zusammengekommen ist. Aber das es ein wirklicher Zufall ist, glaube ich nicht.”

euronews:

Glauben Sie, dass für Serbien nun der Weg in die EU frei ist?

Carla del Ponte:

“Aber ja, da bin ich ganz sicher. Das weiß ich von meiner Arbeit als Chefanklägerin in Den Haag, durch meine Kontakte nach Brüssel und zu den Staaten, vor allem zu den Niederlanden. Diese sind sehr strikt und wollten Mladic in Den Haag. Jetzt ist die Tür also wirklich offen.”

euronews:

Frau del Ponte, vielen Dank.

Mit der Festnahme von Ratko Mladic ist also offenbar die Aufnahme in die EU für Serbien näher gerückt.