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Ohrfeige für Berlusconi: Italiens Industrie kritisiert Reformstau

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Ohrfeige für Berlusconi: Italiens Industrie kritisiert Reformstau

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In Anwesenheit des Staatspräsidenten hat der italienische Industrieverband einschneidende Reformen gefordert und damit die Regierung Berlusconi massiv unter Druck gesetzt. Auf der Jahreshauptversammlung in Rom, an der auch der künftige EZB-Präsident Mario Draghi teilnahm,

kritisierte Verbandspräsidentin Emma Marcegaglia vor allem ein Übermaß an Bürokratie, das wachstumshemmend wirke.

Marcegaglia rief dazu auf, die öffentlichen Finanzen zu sanieren und mehr wirtschaftliche Dynamik zu entfalten. Verwaltungsvorschriften müssten vereinfacht und Steuersysteme reformiert werden – und zwar sofort.

Mit einem Wachstum von kaum mehr als einem Prozent gehört Italien zu den schwächsten G-8-Staaten. Das Haushaltsdefizit überschreitet mit 4,5 Prozent bei weitem die Grenze des Maastricht-Vertrags. Und die öffentliche Schuldenlast liegt bei 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, einer der höchsten Raten in der EU.

Experten bezeichnen Italien bereits als den “stillen kranken Mann der Eurozone”, der es bislang geschafft habe, Griechenland, Spanien oder Portugal die Schlagzeilen zu überlassen. Die massive Kritik des Industrieverbandes Confindustria an seiner Politik bedeutet für Ministerpräsident Silvio Berlusconi, eine wichtigen Verbündeten praktisch verloren zu haben.