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Ehemaliger UNO-General erinnert sich an Bosnien und Mladic

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Ehemaliger UNO-General erinnert sich an Bosnien und Mladic

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Starke Erinnerungen an Ratko Mladic hat Philippe Morillon. Der französische General befehligte Anfang der Neunziger, 1992 und 1993, die UNO-Truppen in Bosnien. Noch ging es darum, einen Frieden auszuhandeln: Mladic traf er deshalb jede Woche; die beiden spielten miteinander sogar Schach.

Im Gespräch mit Euronews sagt Philippe Morillon: Mit ihm war es immer wie ein Schachspiel. Mladic war der starke Mann: Karadzic, der Präsident der Serben in Bosnien, war nur eine Marionette. In allen möglichen Gesprächen war nie etwas zu erreichen, ohne dass es über Mladic lief. Er hielt sich für Napoleon, und das wollte er von seinen Getreuen auch immer hören.

Euronews: Ist Mladic der Hauptverantwortliche für das Unheil in Ex-Jugoslawien?

Morillon: Ja; auf jeden Fall für die Verlängerung dieses Unheils. Er war gegen das Friedensabkommen, das in Genf vereinbart wurde. Und es war Mladic und Mladic allein, der regelrecht putschte und im Parlament der bosnischen Serben erreichte, dass der Plan abgelehnt wurde – gegen den Willen von Karadzic.

Damit hat er das Leiden in der Region mindestens um zwei Jahre verlängert. Statt seinem Land zu dienen, wollte er der Erlöser von Großserbien sein. Er hat die Niederlage der Serben beschleunigt, und er hat für dieses furchtbare Bild des Massakers von Srebrenica gesorgt, im Juli 1995.

Endlich können die Serben jetzt begreifen, dass der Mann, den manche von ihnen für einen Helden gehalten haben, in Wirklichkeit der Hauptgrund für die Verlängerung ihres Unheils ist.

Euronews: Sind sie jetzt froh nach dieser Festnahme?

Morillon: Darüber bin ich sehr froh. Froh auch wegen Europa und darüber, dass Serbiens Regierung und Präsident den Mut zu dieser Festnahme hatten.

Euronews: Glauben sie, dass es nach dieser Festnahme eine Aussöhnung geben kann, dass damit ein Schlusspunkt gesetzt wird?

Morillon: Die unglücklichen Mütter von Srebrenica werden nie vergeben können. Ihren wahnsinnigen Schmerz muss man verstehen. Die jungen Leute wissen, dass es Frieden nur gibt, wenn man die Unabhängigkeit des anderen anerkennt. Jedenfalls die jungen Leute zwischen zwanzig und dreißig, die den Krieg praktisch nicht mehr erlebt haben – die wollen nur das.