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Angehörige der Opfer von Mladic zeigen ihr Leid

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Angehörige der Opfer von Mladic zeigen ihr Leid

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“Es wird ein Fest werden, dann reicht das Blut bis zu den Knien”, Ratko Mladic setzte seine Worte in Taten um, als er im Juli 1995 in Srebrenica 8000 Jungen und Männer grausam ermorden liess.

Nach 16 Jahren muss sich der einstige Militärchef – hier auf Archivbildern – endlich vor einem Gericht verantworten. Doch die Anklage wegen Völkermordes kommt für die Angehörigen der Opfer viel zu spät.

Fadila Efendic hat überlebt, weil sie Zuflucht bei der UNO in Protocari fand. Kurz zuvor hatte sie Mladic gesehen, wie er Frauen von ihren Männern trennte.

Fadila Efendic:

Er sah stolz aus. Er war der Soldat, der entschieden hat, wer leben darf und wer sterben muss. Er war derjenige, der die Todesurteile für unsere Männer und Kinder ausgesprochen hat.

Das unvorstellbare Ausmass des Massakers erschwerte die Zuordnung der Leichen. Seit 16 Jahren ist auch die Witwe Kadira Gabeljic auf der Suche – sie kommt nicht zur Ruhe und besucht ein Massengrab nach dem nächsten, um die Ueberreste ihrer beiden Söhne zu finden, Mesud und Meho wurden nur 16 und 21 Jahre alt. Sie hat Angst ihre toten Körper nie begraben zu dürfen.

Kadira Gabeljic:

Seit 16 Jahren suche ich nach meinen Kindern, mein Mann wurde gefunden. Aber was ist mit meinen Kindern? Wir haben nur den Schädel/Kopf meines älteren Sohnes gefunden, dazu ein Bein und den unteren Teil des anderen Beines. Von meinem jüngeren Sohn haben wir nur ein Bein und den unteren Teil des anderen Beines gefunden.Ich werde Jahre warten müssen. Vielleicht werde ich sogar sterben bevor der Rest ihrer Körper gefunden wird.

Izudin Alic hatte sich von Rathko Mladic kurz vor dem Massaker sogar noch freundlich beschenken lassen – unwissend welche Gefahr auch ihm drohte.

Diese Bilder schockierten die Welt. Ein freundlich lächelnder Mladic tätschelt einem muslimischen Jungen die Wange, versichert ihm keine Angst haben zu müssen, und das nur wenige Stunden vor dem Todesbefehl.

Der Junge aus dem Video ist nun 24 Jahre alt, und erinnert sich deutlich.

Izudin Alic:

Ich habe einen Schoko-Riegel bekommen. Ich bin mit anderen Kindern hin gegangen und habe dann den Riegel von Ratko Mladic genommen.

Alte Bilder von Izudin und seine Mutter zeigen einen sonnigen, vermeintlich sorglosen Tag im Juli vor 16 Jahren. Die Unbeschwertheit von damals ist vergangen.

Izudin hatte sich vor Mladic sogar als 12-Jähriger ausgegeben, obwohl er erst 8 war, er hatte ja keine Ahnung in welche Gefahr er sich selbst dadurch brachte. Das jüngste Opfer von Ratko Mladic war erst 14 Jahre alt.