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WHO: Handystrahlung möglicherweise krebserregend


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WHO: Handystrahlung möglicherweise krebserregend

 
Seit Jahren wird darüber gestritten, ob Handy-Strahlung für den Nutzer gesundheitsgefährdend ist. Studien gab es schon einige, auch Empfehlungen. Nun hat die Weltgesundheitsorganisation WHO eine neue Warnung ausgesprochen: Handystrahlung ist “möglicherweise krebserregend”. Und: Der häufige Gebrauch von Mobiltelefonen könnte das Risiko bestimmter Hirntumore, sogenannter Gliome, erhöhen. Auf der Liste der potentiellen Krebserreger rangiert Handystrahlung damit auf Stufe 2B, ebenso wie Auspuffgase oder das Pflanzenschutzmittel DDT.
Zu diesem Schluss kam eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC in Lyon. 31 Fachleute aus 14 Ländern haben Daten bereits existierender internationalen Untersuchungen ausgewertet. Im Zentrum stand hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie sie von Handys, aber auch von Rundfunk und Radar benutzt wird. “Was diese Arbeitsgruppe festgestellt hat, ist ein mögliches Krebsrisiko in Zusammenhang mit der Nutzung von Mobiltelefonen”, erklärt IARC-Direktor Christopher Wild. “Diese Schlussfolgerung beruht auf sämtlichen verfügbaren Daten über den Zusammenhang von Strahlung und Krebs beim Menschen, auch auf in Tierversuchen festgestellten Zusammenhängen und auf sämtlichen anderen, plausiblen Mechanismen”. “Tabak zum Beispiel ist seit langem als Krebserreger bekannt, Belege gab es bereits in den 50er Jahren. Viel weniger eindeutig ist der Nachweis in diesem Fall. Wir sagen “möglicherweise”, betont der Vorsitzende der IARC-Expertengruppe, Jonathan Samet. “Das bedeutet, dass wir weiter nachforschen und Gehirntumore genau zurück verfolgen müssen, und dass weitere Studien nötig sind, um einen ursächlichen Zusammenhang nachzuweisen.”
Verbraucherschutz-Verbände und Mobilfunkkonzerne hatten die Studie mit großer Spannung erwartet.
Umso enttäuschter reagierte der internationale Verband der Mobiltelefon-Produzenten CTIA in einer ersten Stellungnahme auf den Bericht. Andere Studien hätten keine Gefahr hinsichtlich der
Strahlung von Handys festgestellt. Die Untersuchung der Internationalen Krebsforschungsagentur sei nicht aussagekräftig, weil keine neuen Studien durchgeführt wurden. Die IARC hingegen unterstreicht das Risiko für Vieltelefonierer. “Mehrere epidemiologische Studien haben sich mit dem Thema befasst. Davon ausgehend, dass Mobiltelefone zur Entstehung von Gehirntumoren beitragen können, erscheint es logisch, dass die Seite, an die der Nutzer das Handy gewohnheitsmäßig drückt stärker betroffen ist. Es gibt Hinweise dafür”, sagt Jonathan Samet.
Der Expertengruppe lagen Daten aus einer vor einigen Jahren abgeschlossenen internationalen Untersuchung vor, der Interphone-Studie. Schon deren Abschlussbericht im Mai 2010, sowie vorher veröffentlichte Teilergebnisse aus einigen Ländern bestätigten die jetzt offizielle Risikoschätzung. Eine im Februar veröffentlichte amerikanische Studie hatte außerdem festgestellt, dass sich Handystrahlung auf die Gehirnaktivität auswirkt.
Im Zweifelsfall sei Vorsicht geboten, rät IARC-Direktor Christopher Wild. “Es gibt eine Reihe Maßnahmen, die der Nutzer in dieser unsicheren Phase ergreifen kann, um die Strahlenbelastung zu reduzieren. Zum Beispiel Freisprecheinrichtungen oder SMS-Nachrichten.”
 
 

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