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Japan: Nachbeben in Politik und Gesellschaft

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Japan: Nachbeben in Politik und Gesellschaft

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“So bald ich meine Pflicht erfüllt habe,” sagte Naoto Kan, “werde ich die Verantwortung an eine jüngere Generation abgeben.” Nur dank dieser Rücktrittszusage konnte Japans Ministerpräsident einen Misstrauensantrag im Parlament abwehren – Rebellen in der eigenen Demokratischen Partei (DPJ) hatten gedroht, mit der Opposition zu stimmen.
 
Einige Samurai-Tugenden wie etwa Pflichterfüllung oder Loyalität waren damit schon hinfällig – für viele Japaner unmöglich.
 
 
Takashi Hamada, Rentner:
 
“Ich frage mich, wieso in dieser schwierigen Zeit überhaupt ein Misstrauensantrag sein musste.”
 
Munehisa Murakami, Geschäftsmann:
 
“Jetzt ist nicht die Zeit für solche Grabenkämpfe. Alle sollten sich auf die verwüsteten Regionen konzentrieren.”
 
Youko Ogata, Schwimmlehrerin:
 
“Jetzt kann er bleiben, so lange er es für richtig hält - ich dachte, man würde ihn zum Rückzug zwingen. Und ich frage mich, wie er weitermachen will, nach dem, was jetzt passiert ist.”
 
 
Der zuvor schon angeschlagene Kan war wegen seines Krisenmanagements nach Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe kritisiert worden. Genau das will er jetzt zuende bringen. Keine leichte Aufgabe - Japan ist etwa in doppelter Höhe seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet.