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Gläubigerverzicht wird nötig sein


Portugal

Gläubigerverzicht wird nötig sein

Michel dos Santos, euronews:Gemeinsam mit dem Journalisten Jose Manuel Fernandez wollen wir über die möglichen Auswirkungen der Wahlen in Portugal reden.

Herr Fernandes, die Umfragen deuten auf eine Koalitionsregierung zwischen Liberal- und Rechtskonservativen hin. Wird es denn angesichts der Sparmaßnahmen ohne absolute Mehrheit überhaupt möglich sein, die Legislaturperiode durchzuhalten?

José Manuel Fernandes:

Ich denke, die aus diesen Wahlen hervorgehende Regierung wird eine Mehrheit erhalten. Der Präsident hat angekündigt, nur eine Mehrheitsregierung zu ernennen. Und wenn diese aus Liberalkonservativer PSD und den Rechtskonservativen der CSD-PP besteht, so gibt es diese Mehrheit.

euronews:Warum ist es nicht möglich, eine große Koalition, im Zentrum zu bilden, um die enormen Probleme des Landes zu lösen?

José Manuel Fernandes:

Ich denke, dass die Möglichkeit der Bildung einer solchen Allianz, die auch die aktuelle Regierungspartei die PS einbindet, sehr stark davon abhängt, ob Jose Socrates weiter an deren Spitze verbleibt. Socrates ist jemand, der im Wahlkampf und während der letzten Jahre eher Unterschiede betont hat, statt die Gemeinsamkeiten. Alle führenden Politiker haben gesagt, dass sie es mit Sokrates nicht nochmal machen würden. Sie lehnen nicht die PS ab, wollen aber socrates nicht.

euronews:Wenn Deutschland der Motor Europas ist, was ist

Portugal dann in der Wahrnehmung der EU?

José Manuel Fernandes:

Die Portugiesen scheinen die EU weiterhin als eine Art El Dorado zu sehen. Die Portugiesen fühlen sich aktuell ein wenig durch die EU verraten, wegen der diktierten Sparbedingungen von IWF und EU, aber gleichzeitig wissen sie, dass sie von den Zahlungen beider Institutionen abhängig sind.

Das es Portugal schlecht geht, liegt nicht am Euro, es ist vielmehr Zeichen portugiesischen Missmanagements. Das nötige Niveau einer von Deutschland dominierten Währungsunion haben wir da nie erreicht.

euronews:Ist das EU-Hilfsprogramm für Portugal denn wirksam oder muss die nächste Regierung befürchten, wie Griechenland zu enden?

José Manuel Fernandes:

Ja, das Risiko existiert, wie ich schon sagte. sicherlich ist das etwas, was unsere Politiker nicht offen diskutieren können. Ich hoffe aber, dass wir, wenn wir unsere Zusagen einhalten, auf Dauer vielleicht eine Neuverhandlung unserer Schulden erreichen können. Vielleicht eine Laufzeitverlängerung oder ähnliches. Der Sack den wir mit uns herumschleppen, stellt eine enorme Belastung für unser Land dar.

euronews:Sie setzen auf Verzicht der Gläubiger, ist das Ihre Botschaft?

José Manuel Fernandes:

Ich denke es wird darauf hinauslaufen müssen. In fast allen portugiesischen Parteien herrscht Unzufriedenheit über das Rettungspaket und seine Bedingungen.

euronews:

José Manuel Fernades, merci beaucoup

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