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Abschied von Jorge Semprún

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Abschied von Jorge Semprún

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Ein großer europäischer Literat ist tot: Der spanische Schriftsteller Jorge Semprún starb im Alter von 87 Jahren in Paris. In seinen Büchern entwarf er eine beeindruckende Chronologie des 20. Jahrhunderts. Meist schrieb er auf Französisch, da sein Werk in Spanien lange Zeit nicht veröffentlicht werden durfte. Erst mit fast 80 Jahren verfasste er seinen ersten Roman auf Spanisch. Sein spanischer Pass hinderte ihn allerdings daran, in die Academie Française aufgenommen zu werden.

Zudem war Jorge Semprún ein überzeugter Europäer, der vor allem die Jugend für die europäische Idee begeistern wollte. “Den Jugendlichen in Europa werden viele interessante Dinge angeboten”, sagte er in einem Euronews-Interview, “etwa das Erasmus-Programm, der universitäre Austausch, oder verschiedene Reisemöglichkeiten. Aber das sind alles sehr praktische Dinge, sehr alltägliche Dinge. Was wir derzeit nicht anbieten, weil wir offenbar nicht wissen, wie wir es anbieten können, ist ein globales Projekt, das die Frage beantwortet: Warum Europa? Was macht Europa aus? Es geht nicht nur um Erasmusprogramme, da muss noch etwas mehr sein.”

Auch politisch war Semprún aktiv: Er flüchtete vor dem Franco-Regime nach Frankreich, schloss sich dort der Résistance an und wurde 1943 in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt – eine Erfahrung, die er später literarisch verarbeitete. Dem Kommunismus schwor er später ab und wurde 1988 spanischer Kulturminister, bis er 1991 mit der sozialistischen Partei aneinandergeriet und das Amt aufgab. Fortan reiste er zwischen Spanien und Frankreich hin und her und besuchte auch mehrmals Deutschland. Neben Spanisch und Französisch sprach er auch Deutsch, das er als Junge von seinem Kindermädchen gelernt hatte.

Semprùns Werk wurde mehrfach ausgezeichnet; unter anderem mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels und den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.