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Ähnlich und doch anders

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Ähnlich und doch anders

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Noch hat der arabische Frühling sie nicht hinweggefegt: Gaddafi und Assad. Beide so unterschiedlich und doch so gleich.

Sehr verschieden kamen sie an die Macht: Der eine durch einen Putsch vor 42 Jahren, der andere erbte das Amt vor elf Jahren. Trotz aller Unterschiede gleichen sie sich heute, in der Unterdrückung der Opposition: sie reagieren mit massiver Repression.

Anders als in Libyen konnte der Westen sich in Syrien bislang nicht zu einer militärischen Intervention entschliessen. Dies scheint in erster Linie der Reputation Assads geschuldet zu sein. Als er an die Macht kam, schien er bereit, sein Land zu öffnen und Reformen durchzuführen. Er galt als Modernisierer und pflegte diplomatische Beziehungen mit dem Westen.

Dem gegenüber wurde Gaddafi als wunderlicher Charakter angesehen, als extrem und gefährlich. Seine zwischenzeitliche Annäherung an Europa konnte zwar die dunkelsten Stunden mit Verwicklungen in den internationalen Terrorismus vergessen machen,- die brutale Niederschlagung

der Opposition jedoch, entlarvte diese Wandlung schnell als Farce.

Die Protestbewegung aber hatte weder in Libyen noch in Syrien eine Chance.Die Sicherheitskräfte gingen in beiden Staaten sofort massiv gegen die Demonstranten vor. Was den Grad der Brutalität angeht, überbieten sich ständig beide Despoten gegenseitig. So wie in diesem Fall: ein kleiner Junge, gerade 13 Jahre, wird verhaftet bei einer Demonstration im syrischen Deraa. Wochen später erhält seine Familie ihn tot zurück, sein Körper verstümmelt.Er wurde zum Märtyrer der Revolution, markiert er doch einen Point of no return. Die Reaktion der internationalen Gemeinschaft dennoch verhalten…

Ricardo Bocco, Politologe, IHEID Genf:

“Das Erdbeben des Regimewechsels in Ägypten ist kaum verdaut, deshalb hat man Angst, das ein Ende des syrischen Regimes nun weitere Destabilisierung der Region bedeuten könnte. Ist es doch mit dem Iran, der Hisbollah und der Hamas eng verbunden. Es herrscht Furcht vor einem Flächenbrand.”

Während Gaddafi isoliert dasteht und auch militärisch angegriffen wird, sichern die vielfältigen Beziehungen Syriens in der Region Assad zu, das ihm ähnliches bislang erspart blieb. Hinzu kommt, das Syrien die Islamisierung drohen könnte, sollte das Regime Assads fallen.

Assad und Gaddafi: sie wollen ihre Macht unter keinen Umständen aufgeben. Erst recht nicht, unter dem Druck des Westens. Dennoch: während Gaddafi sich trotzig dem Untergang entgegenstemmt, spielt Assad die politische Karte – er verstand den Unterschied.