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Giuliano Pisapia - der "Mann, der Berlusconi besiegte"

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Giuliano Pisapia - der "Mann, der Berlusconi besiegte"

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Er ist nun weit über die Grenzen seiner Stadt hinaus bekannt: Giuliano Pisapia, Mailands neuer linke Bürgermeister. Er ist der Mann, der Berlusconi in dessen Heimatstadt nach 18 Jahren eine Niederlage bescherte.

Wie hat der 62jährige Anwalt bei den jüngsten Kommunalwahlen das geschafft, was auch dem Nobelpreisträger Dario Fo nicht gelang?

Giuliano Pisapia, neuer Bürgermeister von Mailand:

“Wir wollten eine Alternative zu Berlusconi schaffen und eine neue Art, Politik zu machen. Das war eine gute Entscheidung. Zum Beispiel haben wir auf Lügen und Beleidigungen mit einem Lächeln, mit Freundlichkeit oder Ironie geantwortet – das hat sie überrascht. Wir sagen hier “Ein Lachen bringt euch ins Grab” – und es stimmt.”

Bei einem TV-Duell wenige Tage vor der Stichwahl warf die bisherige Bürgermeisterin Letizia Moratti Pisapia beispielsweise vor, in der Vergangenheit ein Auto gestohlen zu haben. Pisapisa erhielt damals jedoch einen Freispruch erster Klasse. Doch seine Unterstützer waren alarmiert: im Scherz unterstellten sie Pisapia, Moskitos erfunden zu haben, die Erdbeben auslösen. Die Stimmung kippte umgehend zu seinen Gunsten.

Giuliano Pisapia, neuer Bürgermeister von Mailand:

“Auch andere Elemente waren ausschlaggebend: Dass ich ein Kandidat war, der nicht vom Establishment vorgeschlagen, sondern von den Bürgern ausgewählt wurde und unser Programm nicht von einer Partei, sondern von mehr als 1200 Menschen aufgesetzt wurde.”

Das war Pisapias Idee von Anfang an, nach seinem überraschenden Sieg bei der ersten Abstimmung. Er rief Komitees ins Leben und bezog die Leute voll in die Kampagne mit ein.

Diese improvisierten außerdem Events wie Konzerte, wenn sie erfuhren, dass Pisapia sich in der Nähe zeigen würde.

Aber was war wichtiger? Soziale Netzwerke oder das persönliche Zusammentreffen?

Giuliano Pisapia, neuer Bürgermeister von Mailand:

“Beides. Facebook ist ganz wesentlich, denn für die jungen Leute ist das eine Möglichkeit, sich täglich auszutauschen. Aber wenn ich nicht in die Vororte gegangen wäre, in denen es keinen Enthusiasmus mehr gab, sondern nur eine unglaubliche Desillusionierung, hätte ich sicher nicht das gleiche Maß an Zustimmung erhalten. Wir müssen einfach verstehen, dass wir jedem die gleichen Dinge sagen müssen, aber in unterschiedlichen Sprachen.”

Die Menschen in Italien trauen den Politikern schon lange nicht mehr. Pisapia aber gehört nicht zum Establishment, er wird als “Mann des Volkes” angesehen.

Das gilt für allem für junge Leute, wie der Gründer des linken Senders Radio Popolare, Piero Scaramucci, ausführt:

“Ich habe seit 1968 nicht so viele junge Leute auf der Straße gesehen. Sie haben von den klassischen politischen Führeren die Nase gestrichen voll. Sie haben viel zu sagen, und eines Tages haben sie entschieden: Ok, wir sagen es, wir tun es. Und plötzlich geht es.”

Nun muss sich Pisapia im Alltag bewähren. Einen Vertrauensvorschuss hat er jedenfalls von all denen, die froh sind, Mailand Berlusconi entrissen zu haben.