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Annecy: "Roof Sex" und andere, bitterböse Kurzgeschichten made in USA

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Annecy: "Roof Sex" und andere, bitterböse Kurzgeschichten made in USA

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In diesem Jahr wirft das Internationale Animationsfilm Festival im französischen Annecy den Scheinwerfer auf unabhängige Zeichntrick-Produktionen aus den USA. Gewissermaßen das Gegenstück zu Animationsblockbustern “Made in Hollywood”. Kreative Kraft und Humor sind die besonderen Kennzeichen. “Wir laden zu einer Reise, zu einem Road Movie quer durch die andere amerikanische Animationsszene, mit einem ganz eigenen Geschmack, anspruchsvoll, aber so viel leckerer”, erklärt der künstlerische Leiter des Festivals, Serge Bromberg.

Mit dabei ist Adam Pesapane, alias PES, der Meister des bewegten Alltagsobjekts. Ganz banale Gegenstände macht er zu den dramatischen Helden seiner bitterbösen Kurzgeschichten. “Viele meiner Streifen basieren auf persönlichen Beobachtungen”, betont er. “Ich mache mir immer eine Menge Notizen und wenn ich später darüber nachdenke, kommen mir die Ideen. Oft sind es persönliche Gegenstände, die ich täglich sehe oder mit denen ich aufgewachsen bin. Mir gefällt es, wenn ich machen kann, was ich will, ohne dass mir jemand Befehle gibt, die totale kreative Freiheit. Deswegen liebe ich das Medium Kurzfilm.”

Mit dem Streifen “Roof Sex” über kopulierende Sessel auf dem Hausdach erlangte der Animationsfilmer internationale Bekanntheit. Der Film war auf über 100 Festivals in der ganzen Welt zu sehen.

Ebenfalls in Annecy: Will Vinton, die amerikanische Animationsfilm-Legende. 1975 gewann er den Oscar für den gemeinsam mit Bob Gardiner geschaffenen Kurzfilm “Cloudy Mondays”. Der Mann mit dem Schnurrbart gilt spätestens seitdem als Guru für dreidimensionale Knetfigur-Animationen. “Nicht, dass es vor uns keine 3D Animationen gab, aber niemand benutzte sie als Medium für Popkultur. Es bedeutet eine Menge Arbeit, Animation ist ein langwieriger Prozess. Aber das ist Kunst ganz allgemein. Ein Maler muss auch lange warten, bevor die Farbe auf der Leinwand trocken ist, wenn Sie verstehen, was ich meine. Jedes künstlerische Unterfangen verlangt viel Zeit, wenn man seine Sache gut machen will.”

Matthew O’Callaghan erinnerte sich im Auftrag von Warner Bros. an die Lieblingszeichentrickfiguren seiner Kindheit, Road Runner und Kojote. Er hielt sich dabei an die Originalvorlage von Chuck Jones aus den 40er Jahren und drehte in 3D. “Ich wollte, dass die Kurzfilme sich ebenso stark einprägen, dass die Leute sich erinnern und sich sagen: Genauso habe ich sie als Kind gesehen.”

An dem altbekannten Handlungsschema hat er nichts geändert: Der Kojote zieht immer den Kürzeren.