Eilmeldung

Eilmeldung

Vom Brotverkäufer zum Staatschef

Sie lesen gerade:

Vom Brotverkäufer zum Staatschef

Schriftgrösse Aa Aa

Die Europäer nahmen Recep Tayyip Erdogan erstmals im Jahr 2002 richtig zur Kenntnis, als seine Partei nach einem fulminaten Wahlsieg zum ersten Mal an die Macht kam. Europa fürchtete um das türkisch-sekuläre Modell, einige fürchteten sogar, einen neuen Iran. Als dann Erdogans Ehefrau zum ersten Mal mit Kopftuch in der Öffentlichkeit auftrat, sah die türkische Opposition schon das Ende des Laizismus heraufdämmern.

Wenige Jahre später scheint diese Angst nicht mehr zu bestehen: Erdogan und die Türkei wurden von den Europäern mit offenen Armen begrüßt, als die EU im Dezember 2004 Beitrittsverhandlungen mit der Türkei eröffnete.

Ein wichtiger Erfolg für Erdogan, der den EU-Beitritt zu seinem großen Wahlkampfthema gemacht hatte.

Vom einfachen Brotverkäufer arbeitete sich Erdogan bis zum Istanbuler Bürgermeister hoch. Das war 1994. Vielleicht wäre er in diesem Amt geblieben, hätte ihn nicht ein selbstverfasstes Gedicht 1998 ins Gefängnis und ihm dadurch unverhoffte Popularität gebracht.

Nun fing er an mit den Veränderungen: er verlässt die alte islamistische Partei, gründet kurzerhand eine neue modernere, die AKP. Damit gewinnt er die Wahlen, wird Ministerpräsident und versucht – in der Welt herumreisend – der Türkei einen neuen Platz zu verschaffen, zwischen den ganz Großen.

Die Wirtschaftskrise von 2001 meistert er äußerst pragmatisch, im östlichen Mittelmeerraum präsentiert sich das Land als Regionalmacht.

Der erneute Sieg der AKP 2007 bedeutet für die Türkei eine ungewohnte politische Kontinuität, Erdogan erlaubt er, endlich mit Reformen zu beginnen. Die letzte Verfassungsänderung ließ er sich per Referendum absegnen. Beschuldigungen, er wolle Kontrolle über die Justiz erlangen, begegnet er mit weiteren Reformen.

Oft sind es gerade die von der EU angemahnten Punkte, die er versucht zu ändern. So beschneidet er den Einfluss der Armee auf die Politik, – anderer EU-Kritik, wie dem Minderheitenschutz, begegnet er schwerfälliger, doch Fakt ist: es gibt heute das Recht öffentlich kurdisch zu sprechen, einen kurdischen Fernsehsender und auch kurdische Kulturverantstaltungen müssen nicht mehr im Verborgenen stattfinden.