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Die verpufften Atomträume Berlusconis

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Die verpufften Atomträume Berlusconis

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Der Ausstieg Italiens aus der Atomenergie begann am 26. April 1986. Damals kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zur Kernschmelze. In der Folge dieser Katastrophe entschieden die Italiener im Jahr 1987 bei einer Volksabstimmung, die vier Atomkraftwerke des Landes vorerst stillzulegen.

Darunter die Anlage Enrico Fermi in Trino. Sie war zwischen 1964 und 1987 in Betrieb. Oder auch das Kernkraftwerk in Caorso, in der Region Emilie Romagne. Es lief zwischen 1978 und 1990 und dient heute als Lager für radioaktive Abfälle. Die Angst vor einer Wiederinbetriebnahme lastete seit der Stillegung auf den Bewohnern der umliegenden Gemeinden.

Die eigenen Anlagen sind zwar dicht. Aber Italien nutzt weiterhin Atomstrom. Vor allem aus Frankreich wird Atomstrom importiert. Und das italienische Energieunternehmen ENEL investiert in ausländische AKW, besonders in der Slowakei. 90 Prozent des Stroms kommt zur Zeit von außerhalb Italiens.

Italien gehört zu den europaweit größten Importeuren von Gas. Und die Preisexplosion hier und beim Erdöl, sowie der Wahlsieg Silvio Berlusconis im Jahr 2008 haben das Thema Atomenergie wieder auf die Tagesordnung gebracht. Als Berlusconi im Jahr 2009 Frankreich besuchte, unterzeichnete er mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ein Abkommen über den Bau von vier Atomkraftwerken in Italien. Das erste sollte 2020 in Betrieb gehen.

Damals sagte er in einer überschwenglichen Rede: “Frankreich deckt heute 80 Prozent seines Energiebedarfs durch Atomstrom. Das hat zwei Konsequenzen: Zum einen ist diese Stromerzeugung sauber und absolut sicher. Und zum zweiten zahlen die Menschen in Frankreich für ihre Energie rund die Hälfte dessen, was die Italiener zahlen.”

Das war 2009. Zwei Jahre später: die Katastrophe von Fukushima. Berlusconis Nuklearträume verpufften. Die Antiatombewegung erhielt Aufwind. Nicht zuletzt, weil, wie in Japan, auch in Italien Erdbeben nicht eben selten sind.