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Erlebt Italien das Ende der Ära Berlusconi?

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Erlebt Italien das Ende der Ära Berlusconi?

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Erst die Schlappe bei den Kommunalwahlen, jetzt bei der Volksabstimmung: Geht in Italien die Ära Berlusconi zu Ende? Wir fragen Sergio Romano – Historiker, Journalist, Diplomat.

Euronews:
Berlusconi wollte die Italiener vom Wählen abhalten, aber die haben das Gegenteil gemacht – das Ende einer Ära?

Romano:
Dafür reicht es noch nicht, aber für Berlusconi ist es eine überdeutliche Botschaft. Jetzt muss man abwarten, wie die politischen Folgen sind.

Euronews:
Was ist denn am wahrscheinlichsten?

Romano:
Erst einmal geben Politiker die Macht ja nie aus freien Stücken ab. Sie treten nicht ab, weil sie anständige Menschen sind, weil sie Platz machen wollen für Jüngere oder dem Land eine Veränderung gönnen wollen.

Sie treten nur ab, wenn sie Druck bekommen aus ihrer Partei oder von den Verbündeten – weil die den Chef nämlich als Gefahr für ihre politische Zukunft ansehen.

So war das mit Margaret Thatcher, so war das auch mit Gordon Brown. Politische Anführer geben die Macht dann ab, wenn es ihre eigenen Leute verlangen. In Berlusconis Partei oder der Lega Nord hat das bisher keiner gemacht.

Euronews:
Die Lega Nord sagt, sie hat die Niederlagen satt. Erwarten Sie eine Abkehr?

Romano:
Ich glaube, die Lega steckt in der Klemme.

Das war ein gewaltiger Rückschlag: Die Lega hat Wähler verloren, die sie für eine sichere Bank hielt.

Die Lega beginnt jetzt zu glauben, dass Berlusconi keine Hilfe mehr ist, sondern eine Belastung. Aber sie weiß auch, dass der Föderalismus, also ihr Wahlprogramm, größere Chancen hat, wenn die Regierung bis zum Ende im Amt bleibt und die derzeitigen Gesetzentwürfe durchgehen können.

Deshalb läuft es wohl auf einen langsamen Niedergang hinaus, weil es keine Neuwahlen gibt.