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Euro-Krise: Lösbar oder nicht?

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Euro-Krise: Lösbar oder nicht?

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Griechenland steht erneut am Rand des Bankrotts, wie ist das möglich, nach IWF- und EU-Krediten in Höhe von 110 Milliarden Euro? Andre Sapir, Sie sind Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Brüssel,- Warum steht den Griechen, trotz der Hilfen, das Wasser weiterhin bis zum Hals?

André Sapir:
Nun, die Bedingungen, die wir vor einem Jahr gestellt haben, waren einfach zu schwierig zu erfüllen. Dazu kommen Meldungen, dass das Defizit trotz aller Bemühungen höher ausfallen wird, als vor einem Jahr veranschlagt. Das Land wird damit kaum 2012 an den Markt zurückkehren können, um frisches Geld aufzunehmen, wie es EU und IMF vorgesehen hatten.

Euronews:
Die Euro-Gruppe hat den Fall Griechenland gestern erneut geprüft, sich aber nicht einigen können. Sie sagten bereits, die Situation sei komplizierter als erwartet. Wie kann Athen gerettet werden?

André Sapir:
Es ist unerlässlich, dass wir uns zunächst in der EU auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und nicht immer in kleinen Schritten vorwärts gehen. Wir müssen eine glaubwürdige Lösung erarbeiten, die mittelfristig hält, nicht nur Tage oder Wochen.

Euronews:
Sie reden von kleinen Schritten,- 110 Milliarden Euro waren aber schon ein großer Schritt. Und jetzt wird noch mehr Geld benötigt?

André Sapir:
Nein, ich habe nicht gesagt, dass mehr Geld benötigt wird, als die 110 Milliarden, aber wir müssen sehen, dass die Märkte bis jetzt kein Vertrauen entwickelt haben, weil wir bislang eben noch keine dauerhafte Lösung erarbeitet haben.

Das gilt es zu vermeiden: alle 6 Monate oder jedes Jahr den Rettungsschirm zu vergrößern. Wir müssen eine stabile Lösung für die kommenden Jahre finden, die auch für die anderen Länder glaubhaft wäre. Denn wir wissen, das Irland und Portugal den Griechen dicht folgen.

Euronews:
Wie sieht das Worst-Case-Szenario für die Eurozone aus, wenn die Griechenland-Rettung scheitert?

André Sapir:
Ich möchte mich hier nicht an Spekulationen über Worst-Case-Szenarien beteiligen. Ich denke auch nicht an Katastrophenszenarien, denn es gibt Lösungen. Schwierige ja, aber es gibt Lösungen.

Einige Vorschläge führen zur Vertiefung der EU.

Das war es ja, was Herr Trichet da vor etwa einer Woche anregte, als er die Idee eines europäischen Finanzministeriums erwähnte. Das könnte eine Lösung sein. Die Alternative wäre kurzfristiger zu haben: eine Beteiligung privater Gläubiger.

Momentan injizieren wir lediglich immer wieder Geld, ohne das richtig absehbar ist, wohin die Reise gehen soll.

Deutschland, Finnland und die Niederlande fordern jetzt schon, eine Beteiligung des privaten Sektors an den Kosten der Greichenlandrettung.