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"Griechenland geht uns alle an"

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"Griechenland geht uns alle an"

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Stefan Grobe, euronews: In London begrüsse ich jetzt Manoj Ladwa von ETX Capital. Manoj, Griechenland geht es schlecht, das wissen wir. Das Land ist fast pleite und braucht dringend Hilfe. Wer ist eigentlich der größte Verlierer bei alldem?

Manoj Ladwa: Ich denke, jeder in Europa verliert, wenn Griechenland zahlungsunfähig wird. Geht Griechenland den Bach runter, dann ist das eine Neuauflage der Bankenkrise von 2008. Unglücklicherweise verlieren auch die Bürger, denn sie haben natürlich Einlagen in den griechischen Banken. Schließlich sind europäische Banken betroffen, die in Griechnland investiert haben. Wir haben jetzt gerade gehört, dass französische Banken verstärkt engagiert sind, weswegen Rating-Agenturen negative Kommentare abgeben. Es ist leider eben ein Europa-weites Problem, nicht etwas, was auf Griechenland beschränkt wäre.

Grobe: Die griechische Bevölkerung leidet angesichts der massiven Kürzungen natürlich besonders. Was sagen Sie einem Bürger, was er in der Zukunft noch vom Staat erwarten kann?

Ladwa: Leider sind die Bürger von noch härteren Sparmaßnahmen und höheren Steuern bedroht. Denn die griechische Regierung muss, wenn sie sich von der Schuldenlast befreien will, weitere 80 Milliarden Euro einsparen. Athen muss bis Juli dazu einen Beschluss fassen. Ansonsten ist die Zahlungsunfähigkeit die einzige Option, und es wird immer schwerer für Griechenland als Staat, wirtschaftlich aktiv zu sein.

Grobe: Die Rating-Agentur Moody’s hat drei französische Banken wegen ihres Griechenland-Engagements unter Beobachtung gestellt. Deutsche Banken sind wohl in einer ähnlichen Lage. Wie gross ist denn tatsächlich das Risiko für europäische Investoren?

Ladwa: Das ist ganz erheblich. Wir wissen, dass einige deutsche Banken ihr Griechenland-Engagement auf fast null reduziert haben, etwa die Deutsche Bank. Sie sind also nicht mehr auf dem gleichen Niveau wie die französischen Banken. Daher auch die Warnung von Moody’s. Ein erhebliches Engagement haben ausserdem auch britische Banken. Insgesamt kann das natürlich einen Domino-Effekt auslösen, der weit über Griechenland hinausgeht. Dann wäre ganz Europa betroffen.

Grobe: In der Vergangenehit sind Investoren durch die “Tango-Krise” gegangen, durch die “Tequila-Krise” und viele mehr. Irgenwie wurden aber alle diese Stürme abgewettert. Nennen wir das Griechenland-Problem jetzt mal “Sirtaki-Krise”. Wie lange werden wir den denn tanzen müssen?

Ladwa: Das ist zur Zeit sehr schwer zu sagen. Denn der Risikoaufschlag für griechische Anleihen steigt nahezu täglich weiter an. Die Kreditversicherungen für griechische Schulden, also Swapgeschäfte, werden ebenfalls immer teurer. Es scheint zur Zeit kein Ende in Sicht zu sein. Insofern ist eine Aussage hier schwierig.