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Mohammed VI.: Hoffnungsträger mit Schönheitsfehlern

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Mohammed VI.: Hoffnungsträger mit Schönheitsfehlern

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23. Juli 1999: Es war der Tag, an dem Marokkos König Hassan II. starb. Und an dem sein Sohn Mohammed die Nachfolge seines Vaters antrat. Als König Mohammed VI. Die Ehrenträger des Landes schworen ihm ihre Treue.

Bei einer Zeremonie, der sogenannten Beia, feierten sie den 18. König aus der Dynastie der Alawiden, der ein direkter Nachfolger von Prophet Mohammed sein soll.

Vor dem Palast trauerten die Menschen um den toten König. Doch recht rasch begeisterten sich die Marokkaner auch für den jungen Thronfolger, sie sahen in ihm einen Hoffnungsträger für Veränderungen, für Modernität und Reformen.

Und er schien zunächst auch abzuliefern: 2004 wurde ein neues, liberaleres Familienrecht eingeführt. Es gesteht Frauen wesentlich mehr Rechte zu, schränkt Dinge wie Polygamie drastisch ein – und wird von radikalen Islamisten scharf angegriffen.

2004 war auch das Jahr, in dem der König die Opfer der Unterdrückung durch seinen Vater rehabilitierte. Er begnadigte inhaftierte Oppositionelle, nannte aber weder die Folterknechte von damals noch entschuldigte er sich im Namen des Staates.

Der Wille zu Reformen demokratischem Wandel ist also begrenzt. Der heute 47jährige Mohammed VI. ist ein absoluter Monarch, der in Anspruch nimmt, eine göttliche Mission zu haben. Er ist daher auch die höchste religiöse Instanz im Land, der Amir Al Mouminine.

Und er vereint in sich zahlreiche politische Vorrechte. Er ist der wahre Machthaber, auf Kosten von Regierung und Parlament, die oft nur zum Abnicken von Gesetzen dienen. Er kann das Parlament auflösen sowie den Regierungschef ernennen oder entlassen.

Aber die Marokkaner wollen mehr. Seit Beginn dieses Jahres fordern sie mehr Demokratie, mehr soziale und wirtschaftliche Gleichheit. Und nicht wenige wollen einen König, der eher repräsentiert denn regiert.

Die Forderungen und Proteste des Volkes zeigen Wirkung: Im März kündigte Mohammed VI. die Bildung einer Kommission an, die sich mit einer tiefgreifenden Verfassungsreform befassen soll.