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"Globale Lebensmittelmärkte müssen reguliert werden"

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"Globale Lebensmittelmärkte müssen reguliert werden"

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euronews: Ein Experte in Sachen Lebensmittelpreise ist Laurent Levard, Mitglied der Nicht-Regierungsorganisation Gret, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt. Laurent Levard, die Welternährungsorganisation sagt, dass die Nachfrage nach Gertreide derart gestiegen ist, dass die Ernte in diesem Jahr dafür kaum ausreicht. Das ist eine der Ursache der hohen Lebensmittelpreise. Wie können wir denn weltweit mehr produzieren?

Levard: Wenn es heute auf der Welt Menschen gibt, die nicht genug zu essen haben, dann ist das nicht ein Problem der Produktion, sondern eins der Verteilung von Ressourcen und Einkommen.

Aber es stimmt, bei einigen Produkten gibt es Spannungen, vor allem wegen der explosionsartigen Nachfrage nach Getreide für ernährungsfremde Formen wie Biosprit. Deswegen gibt es einen Wettbewerb zwischen Getreide als Kraftstoff und Getreide als Nahrung. Das ist ein wirkliches Problem.

In der Zukunft wird die Menschheit vor der Herausforderung stehen, wie man eine wachsende Bevölkerung ernähren soll. Gleichzeitig stehen wir vor der Frage, wie wir den Übergang zur ökologischen Landwirtschaft organisieren. Wie stellen wir sicher, dass sich Landwirtschaft an die klimatischen Veränderungen anpasst und Millionen neue Jobs auf der Südhalbkugel schafft.

euronews: Die Agrarländer sollen transparenter bei ihren Lagerbeständen und ihrer Produktion werden, hört man. Warum ist diese Transparenz notwendig?

Levard: Eine grössere Transparenz erlaubt eine bessere Information über die wirtschaftlichen Akteure. Auch begrenzt sie die Risiken, dass einige Zwischenhändler ihre Position mißbrauchen. Schließlich wird die Spekulation auf den Märkten begrenzt. Aber Vorsicht! Wenn morgen die Produktion auf dem Weltmarkt nicht ausreicht, sind wir durch die bessere Transparenz darüber informiert, aber das schützt uns nicht vor einem Preissprung.

Es ist also sehr wichtig, dass wir Reserven haben, die die Preise regulieren können, sollte in einem Jahr die Produktion einmal schwach ausfallen, in einem anderen einmal sehr stark. Diese Reserven verhinden also zu große Preisschwankungen.

euronews: Häufig werden Spekulationseffekte für die hohen Preise verantwortlich gemacht. Wie hoch ist ihr tatsächlicher Anteil?

Levard: Wenn in der Vergangenheit Spekulanten spekulieren konnten, dann liegt das an den Möglichkeiten, die man ihnen eingeräumt hat. Im wesentlichen ist es die Liberalisierung der Agrarmärkte zusammen mit einer Reduzierung der Lagerbestände der großen Exportländer – etwa der EU und den USA. Die Reserven hatten bis dahin auf den Märkten eine gewisse Regulierungsfunktion.

euronews: Was erwarten Sie von den G20?

Levard: Wir erwarten von der internationalen Gemeinschaft als erstes, dass sie die Möglichkeiten der Staaten und Regionen anerkennt, ihre Binnenmärkte zu regulieren und zu schützen. Dazu brauchen wir eine angemessene Handelspolitik und Lagerbestände. Schliesslich muss eine solche Politik auf den Weltmärkten ihre Entsprechung finden.