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Aserbaidschans Ilham Aliev will Nagorny Karabach größtmögliche Autonomie gewähren

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Aserbaidschans Ilham Aliev will Nagorny Karabach größtmögliche Autonomie gewähren

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Aserbaidschans Präsident Ilham Aliev im euronews-Interview

Ilham Aliev:
Das persönliche Eingreifen von Präsident Medwedjew hilft beiden Seiten, einem Abkommen näher zu kommen. Darum sind wir optimistisch und denken, dass die armenische Seite ein konstruktives Herangehen zeigen wird und auch zum politischen Willen finden zu nennenswerten Schritte vorwärts, um den Konflikt möglichst bald zu lösen.

euronews:
Was sollte die armenische Seite tun, um sich konstruktiv zu verhalten?

Ilham Aliev:
Soweit es den Verhandlungsprozess anbelangt, wurden die Grundlagen von Vermittlern vorgegeben, damit beide Seite internationale Prinzipien anerkennen, solche wie territoriale Integrität der Länder und Selbstbestimmung der Völker.

Diese beiden Prinzipien widersprechen einander nicht. Sie sind beide wichtig und können beide hilfreich sein für ein Friedensabkommen.

euronews:

Was könnte Aserbaidschan anbieten im Falle eines Abzuges der armenischen Truppen aus Nagorny Karabach?

Ilham Aliev:

Tatsächlich haben wir nichts zurückzugeben im Tausch für etwas, das uns gehört. Nagorny Karabach ist historisches Land, das Aserbaidschan gehört, es wird international als aserbaidschanisches Territorium anerkannt.

euronews

Aber die Armenier wollen ihre Truppen nur unter bestimmten Bedingungen abziehen. Zum Beispiel Selbstbestimmung oder weitgehende Autonomie der Region.

Ilham Aliev

Unser Widerstand dagegen ist seit Jahren klar.

Ich selber habe mehrfach öffentlich erklärt, dass wir bereit sind, die größtmögliche Autonomie, die in der Welt existiert, den Menschen, die in Nagorny Karabach leben und die dorthin zurückkehren wollen, zu gewähren.

euronews

Wie könnte diese Autonomie funktionieren?

Ilham Aliev

Das wird Gegenstand künftiger Verhandlungen sein.

Nach unserer Meinung könnte es eine weitgehende Autonomie sein. In Europa gibt es positive Beispiele für Autonomie. Ich denke, es kann sehr von Vorteil sein, weil es schwierig für uns wäre, etwas Neues zu erfinden. Es gibt positive Beispiele in europäischen Ländern. Zum Beispiel Italien und Südtirol. Und an anderen Orten, denen eine Zentralregierung viel Aufmerksamkeit widmet. Möglicherweise gibt es bei Autonomie mehr Aufmerksamkeit, mehr finanzielle Hilfe, um die bescheidenen Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Wir können das gleiche tun. Aserbaidschan ist ein Land mit umfangreichen finanzielle Ressourcen. Für uns wird es kein großes Problem sein, echte soziale und wirtschaftliche Entwicklungsprogramme für Nagorny Karabach auf den Weg zu bringen.

euronews

Welchen Eindruck haben Sie davon, wie die armenische Führung mit diesem Problem umgeht?

Sehen Sie da mehr Offenheit als in der Vergangenheit?

Ilham Aliev

Für eine bestimmte Zeit besagte die Grundstimmung in Armenien, dass sie den status quo so lange wie möglich bewahren wollten.

Aber dann zeigten in den vergangenen Monaten wichtige Entwicklungen, dass die internationale Gemeinschaft und die Führer der Minsk-Gruppe – die USA, Russland und Frankreich – in vorwärtsweisenden Erklärungen den status quo als nicht mehr akzeptabel bezeichneten.

Das geschah in den letzten Monaten.

Es gibt in der Welt ein klares Verständnis dafür, das der Konflikt um Nagorny Karabach nicht eingefroren ist. Der Waffenstillstand ist sehr anfällig. Die ständige Verletzung des Waffenstillstands und der Kontaktlinien führen zu ernsthafter Besorgnis bei uns allen, wie ich denke, bei Aserbaidschan, bei Armenien und bei der internationalen Gemeinschaft.

Wichtig ist auch eine andere Sache.

Das Kräftegleichgewicht zwischen Armenien und Aserbaidschan hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Heute ist der Staatshaushalt von Aserbaidschan zehnmal größer als der von Armenien. Aserbaidschan hat für sein Militär mehr Geld zur Verfügung als Armenien in seinem gesamten Staatshaushalt. Das ist die Realität.

Und je mehr Zeit vergeht, umso größer werden die Unterschiede zwischen beiden Ländern.