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Staatsbankrott oder Sparmaßnahmen: das griechische Dilemma

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Staatsbankrott oder Sparmaßnahmen: das griechische Dilemma

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Schnittige Autos und schnelle Rennwagen, das Dimitris Filippas Leidenschaft. Vor der Schuldenkrise war der Athener Marketing Direktor bei Alfa Romeo Griechenland. Schon vor zwei Jahren wurde ihm gekündigt, weil bei Beginn der Krise die Verkäufe von Neuwagen zu allererst eingebrochen waren. Jetzt gelingt es Dimitris kaum noch, die Stromrechnungen zu bezahlen. Er liebt sein Land, mit allen Kulturschätzen – und trotz aller Probleme, doch für sich sieht er keine Zukunft mehr. 50 Jahre alt, auf dem klammen Arbeitsmarkt heißt das: keine Chance mehr.

Dimitris gesteht: “am härtesten ist, sich zu alt zu fühlen. Wenn die Personalabteilungen auf meinem Lebenslauf das eine Datum sehen, den 16. Dezember 1961, sagen sie, ‘so ein Alter, den wollen wir nicht mehr’. Nicht mehr gebraucht zu werden, unter dieser Situation leide ich sehr!”

Die Zahl der Menschen, die in Griechenland zum Psychiater gehen, hat seit Beginn der Krise um ein Drittel zugenommen. Neuen Statistiken zufolge ist das Land dasjenige, das 2010 in der Europäischen Union den größten Gehaltsrückgang verzeichnete. Viele Griechen denken daran auszuwandern und zwar nicht nur Dimitris Generation.

Die dringend nötigen neuen Hilfskredite wird es aber nur im Gegenzug zu noch härteren Einschnitten ins Sozialbudget geben. Der Jurist George Katrougalos sagt, all die Sparmaßnahmen klemmen der Wirtschaft den Atem ab. Die einzige Lösung sei, den Staatsbankrott endlich zuzugeben: “Es würde natürlich ein Zeit lang noch härter als jetzt schon werden. Aber ich denke, es wäre dennoch die beste Lösung, weil es zumindest einen Weg aus der gegenwärtigen Situation gäbe. Die Schuldenlast jetzt ist untragbar!”

Die Abgeordnete der Sozialdemokratischen Regierungspartei PASOK Elena Panaritis erinnert dagegen daran, das Zahlungsunfähigkeit zu allererst die Ärmsten treffen würde: “Das würde bedeuten, dass wir kein Geld mehr hätten. Gar keins! Wir könnten kein Gehälter mehr bezahlen,. keine Grundversorgung mehr gewährleisten!”

Griechenland steht am Scheideweg: Entweder neue Sparmaßnahmen – mit all dem Leid, das dadurch entstehen würde, oder Staatsbankrott – mit all dem Leid, das diese Option auslösen würde. Und so fühlen sich die Menschen auch.