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Island beginnt EU-Beitrittsverhandlungen mit Abschluss zweier Kapitel

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Island beginnt EU-Beitrittsverhandlungen mit Abschluss zweier Kapitel

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So willkommen Island der Europäischen Union wäre, so unsicher ist, ob die Isländer, gebeutelt von der Krise, aber nicht gebrochen, selbst hinein wollen.

Die Regierung Islands treibt den Beitrittspozess jedenfalls voran. In Brüssel haben am Montag offiziell die Verhandlungen begonnen, und in zwei von 35 Bereichen — Wissenschaft und Forschung sowie Kultur und Erziehung — konnten sie sogar sofort abgeschlossen werden. Erweiterungskommissar Štefan Füle sieht darin aber keine Sonderbehandlung:

“Niemand sollte sich benachteiligt fühlen; jeder Beitrittsprozess ist einzigartig, jedes Land wird nach seinen Leistungen beurteilt, und Island ist nunmal seit 17 Jahren schon Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums EWR.”

Bei der Fischerei dagegen, dürften die Verhandlungen nicht so einfach werden. Island betreibt zum Missfallen der EU noch Walfang und bangt außerdem um seine nachhaltige Fischereipolitik.

Dennoch sieht Islands Außenminister Össur Skarphedinsson keinen Bedarf für Opt-Outs.

“Wir brauchen keine Ausnahmeregelungen. Es genügt, dass die relative Stabilität gewahrt bleibt, also dass sich die jeweiligen Länder ehrlich an ihre Fangquoten halten.”

Der Kollaps der isländischen Banken und der darauffolgende Staatsbankrott haben die Regierung in Richtung EU geführt. Das ist aber erst die halbe Miete, wie unser Brüsselkorrespondent Rafa Cereceda weiß.

“Die Knackpunkte sind die Fischereipolitik und der Wille des Wahlvolks. Es hat seinen rebellischen Geist bei den Referenden über die Entschädigung britischer und niederländischer Bankkunden unter Beweis gestellt — und muss auch am Ende erfolgreicher Verhandlungen den Beitritt gutheißen. In Regierungskreisen sieht man ein gutes Fischereiabkommen als Schlüssel zur Wählergunst.”