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Prozess gegen Führer der "Roten Khmer"

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Prozess gegen Führer der "Roten Khmer"

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Vier alte Leute, drei Männer und eine Frau, sitzen in Phnom Penh auf der Anklagebank. Vor 35 Jahren gehörten sie zu den Mächtigsten der Mächtigen im Regime der “Roten Khmer.” Kieu Samphan war Staatschef, Nuon Chea Chefideologe, Ieng Sary Außenminister und Ieng Thirith Sozialministerin.

Zunächst agierten sie in Übereinstimmung mit Prinz Sihanouk, der sein Land aus dem Vietnamkrieg hatte heraushalten wollen. Als Sihanouk aber 1970 vom USA-hörigen Lon Nol als Regierungschef abgelöst wurde, regte sich Widerstand.

Die radikalste nationalistische Gruppe unter Führung von Pol Pot vertrieb in einer Militäraktion im April 1975 Lon Nol. Pol Pots sozialistisch-nationalistische Thesen fanden durchaus Zustimmung in dem lange von Kolonialherren unterdrückten Land. Als die “Roten Khmer” in die Hauptstadt einzogen, wurden sie zunächst von der Mehrheit der Bevölkerung freudig begrüßt.

Um so größer war das Entsetzen vor allem bei der Stadtbevölkerung, als die “Roten Khmer” ihr wahres Gesicht zeigten. Eine Art “Steinzeit-Kommunismus” wollten sie schaffen, in dem alle Intellektuellen zu Feinden erklärt wurden, zum “Alt-Volk”, das es auszurotten galt, damit ein “Neu-Volk” aus ungebildeten Landarbeitern den neuen Führern blind folgen möge.

Ein Gefängnis – das berüchtigte S-21 – wurde zum grausigen Symbol für die Herrschaftsmethoden der selbsternannten “Menschheitsbeglücker”.

Ausgerechnet ein Schulgebäude machten sie zur Folter-Hölle. In den vier Herrschaftsjahren der “Roten Khmer” starben mindestens 1,8 Millionen Menschen – fast ein Viertel der Bevölkerung. Durch Zwangsarbeit, Hunger, Folter – oder einfach mit der Hacke erschlagen.

Dem Grauen macht erst der Einmarsch der vietnamesischen Armee 1979 ein Ende.

Vier Kinder wurden noch lebend im berüchtigten Gefängnis “S-21” gefunden.

Der Haupttäter Pol Pot entging der Bestrafung.

Noch 19 Jahre lebte er mit einigen Getreuen im Dschungel – “Bruder Nummer1” starb im Sommer 1998.

Im Museum sind die Gebeine seiner Opfer zu sehen.

Auch wenn es für die Täter im Greisenalter keine angemessene Strafe mehr geben wird – Kambodscha stellt sich seiner Geschichte. Vor allem das zählt.