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Christine Lagarde - mit Kompetenz und Charme an die IWF-Spitze

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Christine Lagarde - mit Kompetenz und Charme an die IWF-Spitze

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Mit Christine Lagarde steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze des Internationalen Währungsfonds. Eine Frau, die in ihrer bisherigen Karriere internationale Aspekte nie aus den Augen verloren hat. Die gebürtige Pariserin arbeitete in den USA bei einer internationalen Anwaltskanzlei, spezialisiert auf Wettbewerbsrecht und Übernahmen.

2005 wurde sie in die französische Regierung berufen, zunächst als Außenhandelsministerin, seit 2007 als Finanzministerin. In diesem Amt trat sie für stärkere Regulierung und Kontrolle der internationalen Finanzmärkte ein – beharrlich, überzeugend und immer charmant.

Ausländische Kollegen sagen ihr eine große Kompetenz, aber auch einen offenen und liebenswürdigen persönlichen Umgang nach. In der Griechenland-Krise warb sie konsequent für eine europäische Solidarität, schrieb der Athener Regierung aber immer wieder einschneidende Reformen ins Stammbuch. Von einer griechischen Umschuldung wollte sie nichts wissen.

In der französischen Innenpolitik kannte sie sich am Anfang kaum aus. Ihr fehlte eine regionale Bindung und eine starke Verankerung in der Partei.

Vielleicht half ihr diese Unbefangenheit, zum am längsten dienenden Finanzminister der Fünften Republik zu werden – und zur bislang einzigen Frau in diesem Amt.

Dennoch rechneten ihr Beobachter beim bisweilen hart geführten innerparteilichen Stellungskampf wenig Chancen aus. Für den Posten des Premierministers wurde ihr Name nie genannt. Auch galt ihre Position innerhalb Regierung nicht als absolut sicher. Ihre Beziehungen zu Staatspräsident Nicolas Sarkozy waren nicht immer frei von Spannungen.

Ob sie bei einem Wahlsieg Sarkozys 2012 in die Regierung zurückgekehrt wäre, wird von Pariser Auguren bezweifelt. Insofern kam der Skandal um Dominique Strauss-Kahn Sarkozy – und wohl auch ihr – gerade recht. So konnte sie ohne Probleme auf einen der einflußreichsten internationalen Posten gelobt werden, den es zu vergeben gibt.