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Abhörskandal: Cameron will Machenschaften der Medien unter die Lupe nehmen

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Abhörskandal: Cameron will Machenschaften der Medien unter die Lupe nehmen

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Nach den jüngsten Auswüchsen im Abhörskandal um das britische Boulevardblatt “News of the World” will Premierminister Cameron die Machenschaften untersuchen lassen. Das Parlament widmete den Vorfällen an diesem Mittwoch eine mehrstündige Dringlichkeitssitzung, nachdem bekannt geworden war, dass die Journalisten sogar Verbrechensopfer abgehört haben sollen.

David Cameron versprach vor den Abgeordneten im Unterhaus: “Zwei wesentliche Bereiche müssen untersucht werden. Erst einmal die damaligen polizeilichen Ermittlungen und der Grund, warum sie nicht bis in die letzten Tiefen des Geschehens vordrangen. Zweitens das Verhalten einzelner Personen und einzelner Medien. Und letztlich müssen wir uns generell die Methoden und Ethik der Medien in unserem Land anschauen.”

Derweil werden die Rücktrittsforderungen an die damals verantwortliche Chefredakteurin Rebekah Brooks, eine Freundin Camerons, immer lauter. Sie will von nichts gewusst haben.

Die Polizei ermittelt bereits, inwieweit die Telefone von Familien der Opfer der Londoner Anschläge vom 7. Juli 2005 abgehört wurden. Der Vater eines Bombenopfers fordert: “Diese Leute müssen sich ihrer Verantwortung stellen, nicht nur mir gegenüber, auch den anderen Familien. Die Leute von ganz oben sollen uns ins Gesicht schauen und sehen, was sie mit unserem Leben angerichtet haben.”

Auch in den Fällen zweier 10-jähriger Mädchen und einer 13-Jährigen, die 2002 entführt und später ermordert worden waren, sollen die Journalisten der Zeitung mit Hilfe von Privatdetektiven Telefone abgehört haben und sogar Nachrichten von der Mailbox eines der Mädchen gelöscht haben. Dies ließ Eltern und Ermittler in dem Glauben, dass das Mädchen dies selbst tat und noch lebte.

Bei der Überprüfung der Unterlagen, die der zum Murdock-Konzern gehörende Verlag der Polizei übergab, stellten die Ermittler außerdem fest, dass offenbar einige Polizisten von der Zeitung für Informationen mit “unangebrachten Zahlungen” entlohnt wurden, wie es hieß.

Seit Jahren hängen Abhörskandale bei Royals und Stars der “News of the World” an, doch die jüngst bekannt gewordenen Exzesse gegenüber Verbrechensopfern ließen in Großbritannien das Fass überlaufen. Boykottaufrufe häufen sich, mehrere Firmen wollen vorerst keine Werbung mehr in der Zeitung schalten. Die Vorwürfe werfen auch ein Licht auf den harten Überlebenskampf auf dem britischen Zeitungsmarkt.