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Skandal um Skandalblatt: Journalisten hörten offenbar Telefone von Verbrechensopfern ab

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Skandal um Skandalblatt: Journalisten hörten offenbar Telefone von Verbrechensopfern ab

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Seit Jahren steht das britische Boulevardblatt “News of the World” des Murdock-Konzerns in Verruf, weil es Telefone von Stars und Royals abhörte. Doch was jetzt bekannt wurde, geht den Briten zu weit: Mit Hilfe von Privatdetektiven sollen die Journalisten die Handy-Mailbox einer vermissten 13-Jährigen angezapft haben, die später tot aufgefunden wurde. Sie sollen sogar Nachrichten von der Mailbox gelöscht haben, um Platz für neue zu schaffen, weswegen Eltern und Ermittler glaubten, das Mädchen habe dies getan und lebe noch.

Die damals verantwortliche Chefredakteurin Rebekah Brooks, eine Vertraute des Premierministers, will davon nichts gewusst haben.

Die Journalisten sollen auch Telefone der Familien von Opfern der Londoner Anschläge 2005 abgehört haben, wie jetzt bekannt wurde. Die Polizei ermittelt.

Das britische Parlament befasst sich an diesem Mittwoch bei einer mehrstündigen Dringlichkeitssitzung mit den Vorwürfen. Premierminister David Cameron erklärte: “Wenn die Anschuldigungen wahr sind, dann ist das wirklich ein grässliches Verhalten und eine furchtbare Situation. Es ist schockierend, dass jemand so etwas tun kann.”

Oppositionsführer Ed Milliband empfahl Rebekah Brooks, ihr Gewissen zu überprüfen, denn die Dinge seien unter ihren Augen geschehen. Es gehe aber nicht nur um individuelle Zuständigkeiten, sondern auch darum, was systematisch in einer Zeitung passiere, und was die Ursachen dafür seien.

In einem früheren Abhörskandal um das Blatt waren ein Privatdetektiv und ein Reporter zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt worden. Derzeit laufen außerdem Verfahren Prominenter wie Jude Law gegen die Zeitung.

Nach den jüngsten Enthüllungen über die Machenschaften des Blattes wurden erste Boykottaufrufe laut, der Autohersteller Ford kündigte an, vorerst keine Werbung mehr dort zu schalten.

Die Zeitung gehört zum Konzern von Rupert Murdock, der als einer der einflussreichsten Männer der Welt gilt. Der Antrag des Konzerns, den Konkurrenten BSkyB zu schlucken, wird gerade von der Regierung geprüft. Kritiker befürchten eine zu starke Macht- und Medienkonzentration in Murdocks Händen.